Bei der EBM-Abrechnung sträuben sich bei vielen Hausärzten die Nackenhaare. Das Ziffernsystem ist unübersichtlich und die Angst vor einem Regress ist gerade bei seltenen Behandlungsanlässen der ständige Begleiter. Eine EBM-Tischvorlage – speziell von Hausärzten für Hausärzte zusammengestellt – kann Licht ins Dunkel bringen.

Die Abrechnung in der Hausarztpraxis ist besonders komplex und führt bei vielen Ärzten immer wieder zu Unsicherheiten. Dieser Problematik widmen sich daher gleich zwei Module der Seminarreihe "Werkzeugkasten für die Niederlassung" (Infobox), die sich speziell an Berufsanfänger richtet. In diesen beiden Modulen werden neben Basics zum Budget-Begriff auch Regressprophylaxe und die wichtigsten EBM-Ziffern behandelt. "Unser Ansatz dabei ist, den Ärzten zu vermitteln: Das ist zwar alles komplex, aber macht Euch keine Sorgen, man kann das alles verstehen und wir bringen Euch mit strukturierter Hilfe auf den richtigen Weg", so Dr. med. Sabine Frohnes, Mitgründerin des Werkzeugkastens und selbst niedergelassene Hausärztin in einer Gemeinschaftspraxis in Kassel.

Und nicht nur Berufsanfänger können von dem detaillierten Wissen profitieren. Außerhalb des "Werkzeugkastens" bietet die Hausärzte-Gruppe auch Seminare für fortgeschrittene Ärzte und MFAs zum Thema Abrechnung an.

Eine große Hilfestellung in Sachen Abrechnung bietet darüber hinaus die EBM-Tischvorlage (Tabelle auf der nächsten Seite zum Rausreißen): Geordnet nach Kategorien wie Diagnostik, Labor, Therapie oder Hausbesuch gibt sie eine gute Übersicht über Gebührenordnungspositionen, Leistungen und entsprechende Vergütung. Die Auswahl der Ziffern entspricht dem, was im hausärztlichen Alltag gebraucht wird. "Wir haben die Vorlage immer weiter verfeinert, Aktuelles eingearbeitet, Altes rausgeschmissen und viele Regeln eingearbeitet – z. B. welche Ziffern nicht nebeneinanderstehen dürfen", so Frohnes, die zusammen mit ihrem Kollegen Timo Schumacher maßgeblich an der Erstellung der Tischvorlage beteiligt war.

Modulübersicht "Werkzeugkasten für die Niederlassung"
  1. Wieso, weshalb, warum? – Einstieg in die hausärztliche Praxis
  2. Nicht warten, starten! – Praxisfinanzierung und Versicherung
  3. Wer führt wen? – Mein Team und ich
  4. Der Nächste bitte! – Sprechstundenorganisation / Das Genie beherrscht das Chaos – Praxisorganisation
  5. How to go to prison… – Wichtige Vorschriften beachten – Ärzte als Arbeitgeber, Unternehmer, Betreuer von Patienten
  6. Die Qual der Wahl – Wo lasse ich mich nieder? Kriterien zur Praxisauswahl
  7. Irren lernt man – Qualitäts- und Fehlermanagement in der Arztpraxis
  8. Freude mit Formularen und Umgang mit Bürokratie
  9. Drum prüfe, wer sich ewig bindet… – Mögliche Formen der Berufsausübung
  10. Ich weiß, dass ich nichts weiß… Wie bleibe ich auf der Höhe meines Wissens / Wissensmanagement
  11. Ehrlich gutes Geld verdienen – Abrechnung EBM, Regress etc.
  12. Ehrlich gutes Geld verdienen – Privatabrechnung, andere Kostenträger
  13. Mein Haus, mein Auto, mein Boot… – Welche Praxisausstattung ist wirklich wichtig/sinnvoll?


"WERKZEUGKASTEN FÜR DIE NIEDERLASSUNG"

Im Jahr 2014 gründete sich eine Initiative junger, kürzlich niedergelassener Hausärzte mit dem Bedürfnis nach Austausch zu all jenen praxisrelevanten Themen, die im Medizinstudium nicht vermittelt werden: Abrechnung, Finanzierung, Versicherung und nicht zuletzt die Führung des Praxisteams als Vorgesetzte(r). Aus dem Umstand heraus, dass jeder Hausarzt zu Beginn der Niederlassung aufs Neue mit den gleichen Problemen und Herausforderungen konfrontiert ist, entstand die Idee, alle Informationen zu bündeln, thematisch zu strukturieren und den Kollegen als Einstiegshilfe zur Verfügung zu stellen.

Das Projekt wurde vom Deutschen Hausärzteverband unterstützt und wird seither als Seminarreihe "Werkzeugkasten für die Niederlassung" vom Institut für hausärztliche Fortbildung (IhF) angeboten. Mittlerweile gibt es 13 Module zu unterschiedlichen Themen wie Praxisführung, Qualitätsmanagement, Sprechstundenorganisation oder Umgang mit Formularen (Infobox).




Autor: Yvonne Schönfelder

Erschienen in: Der Allgemeinarzt, 2017; 39 (1) Seite 66-68