Die Effekte von DMP sind zwar nicht unumstritten, aber inzwischen doch ganz gut belegt. Dies trifft zumindest für das DMP für eine chronische Erkrankung zu. Viele DMP-Versicherte in einer Hausarztpraxis sind allerdings multimorbid und nicht nur in einem, sondern gleich in zwei oder gar mehreren DMP eingeschrieben. Kann das gutgehen? Bei den Leitlinien stehen die Ärzte ja bei Multimorbiden auch vor dem Dilemma, nicht alle leitlinienkonformen Vorgaben befolgen zu können, weil sie zum Teil kontraproduktiv sein können.

Mehrere DMP …

Bei der Anwendung von mehreren DMP sieht es nun aber gar nicht so schlecht aus, wie man vielleicht befürchten musste, folgt man den Ergebnissen der KV Nordrhein, die sechs DMP aus dem Jahr 2016 bei insgesamt 880.000 Versicherten ausgewertet hat. Gerade in den DMP Typ-2-Diabetes, KHK und COPD sind viele Patienten 70 Jahre und älter. Nahezu jeder zweite KHK-Patient und immerhin noch ein Viertel der Diabetiker werden dabei zusätzlich parallel in den jeweils anderen DMP mitversorgt.

Auf den ersten Blick sind die Ergebnisse eher ernüchternd. Doch natürlich leuchtet es auch erst einmal ein, dass bei der Einschreibung in ein DMP die mittlere Anzahl der verordneten Wirkstoffe bei 2,9, bei der Teilnahme gleich an drei DMP (Diabetes, KHK und COPD) hingegen bei 6,6 liegt. Oder anders betrachtet: Nicht mal jeder fünfte Patient, der lediglich an einem Programm teilnimmt, erhält fünf Wirkstoffe oder mehr. Bei Versicherten, die gleich in drei Programmen eingeschrieben sind, sind es dagegen 82 %.

… liefern bessere Ergebnisse

Jetzt folgt aber der zweite entscheidende Blick und der wartet in dieser Eindeutigkeit mit einer faustdicken Überraschung auf: Die Teilnehmer in zwei oder gar drei DMP erreichen im Vergleich zu den Patienten, die lediglich im Diabetes-DMP betreut werden, besser die eigentlich zentralen Qualitätsziele. Zwar ist es um die Stoffwechseleinstellung und den Blutdruck etwas schlechter bestellt, signifikant bessere Ergebnisse werden hingegen bei den Kontrolluntersuchungen (Nierenfunktion, Augen) den Überweisungen (bei schweren Fußläsionen) und den Schulungsmaßnahmen erzielt. Das belegt, dass Patienten bei Einschreibung in mehrere DMP besser geführt, koordiniert und geschult werden können und dass auch die Multimedikation nicht – wie so oft bei Multimorbiden – vollends aus dem Ruder läuft.

Die Ergebnisse zeigen damit einmal mehr, dass sich Behandlungsintensität sowie regelmäßige Kontrollen lohnen und den zusätzlichen Aufwand aus medizinischer wie auch aus kostenmäßiger Sicht wert sind. Die Schlussfolgerung daraus kann daher angesichts der demographischen Entwicklung nur lauten, die DMP in der Hausarztpraxis weiter finanziell wie strukturell auszubauen. Bei Multimorbiden auch im Doppel- oder Dreierpack! Wo keine DMP möglich sind, sollten andere Formen gefunden werden, wie die Zuwendung zum chronisch oder schwerwiegend kranken multimorbiden Patienten verbessert und besser honoriert werden kann. Das ist es, was die neue Bundesregierung ihren Bürgern versichern sollte, anstatt ständig über die politisch derzeit ohnehin nicht durchsetzbare Bürgerversicherung zu philosophieren,

meint Ihr


Raimund Schmid


Erschienen in: Der Allgemeinarzt, 2018; 40 (4) Seite 34