Eine rüstige 90-jährige Patientin stellt sich in unserer Hausarztpraxis vor, nachdem sie seit mehreren Wochen eine bläulich-livide Verfärbung des Rückens und der Finger ihrer rechten Hand bemerkt hatte. "Bestimmt kommt das von den lila Gartenhandschuhen", so ihre Vermutung. Dies entpuppte sich als Trugschluss.

Die alte Dame versorgt sich selbst und legt die Wegstrecke von 2 km zu unserer Praxis an guten Tagen mit dem Fahrrad zurück. An Vorerkrankungen besteht eine gut eingestellte arterielle Hypertonie, außerdem wurde 2015 ein Schrittmacher implantiert wegen symptomatischer Bradykardie und AV-Blockierung.

Bei der Untersuchung fällt neben der lividen Verfärbung an der rechten Hand eine dünne, fältelbare und raue Haut auf, die Patientin klagt über gelegentlichen Juckreiz der betroffenen Hautpartie. Gelenkschmerzen hat sie nicht. Auf ein nicht näher bekanntes topisches Kortisonpräparat (von einer Bekannten entliehen, wenige Tage angewendet) zeige sich keine wesentliche Besserung. Als Erklärung bietet die Patientin das Tragen von lila Gummihandschuhen bei der Gartenarbeit an, der sie trotz ihres hohen Alters mit Begeisterung nachgeht. Ein Zeckenbiss ist nicht erinnerlich.

In der durchgeführten Labordiagnostik inklusive Borrelienserologie zeigt sich jedoch eine exzessive Erhöhung vor allem der Borrelien-IgM auf > 190 AU/ml (negativ < 18) und IgG auf 98,2 AU/ml (negativ < 10), so dass die Diagnose einer Acrodermatitis chronica atrophicans Herxheimer gestellt wird. Es handelt sich hierbei um das kutane Spätstadium einer chronischen Borrelieninfektion. Die Patientin erhielt über 20 Tage Doxycyclin per os 200 mg/Tag, nachdem sie eine tägliche i.v.-Gabe von Ceftriaxon nicht wünschte. Die Hautveränderung war daraufhin moderat rückläufig. In der Literatur sind hier auch trotz leitliniengerechter Antibiotikatherapie meist nur zögerliche Remissionen des "ausgebrannten" Hautbefundes im atrophischen Stadium beschrieben. Eine weitere Therapieeskalation wird seitens der Patientin bei lediglich geringem subjektiven Leidensdruck aktuell nicht gewünscht.

Retrospektiv könnte auch die Reizleitungsstörung des Herzens als kardiale Manifestationsform der chronischen Lyme-Borreliose eingeordnet werden.



Autor:

Dr. med. Wolfgang Schreiber

Facharzt für Allgemeinmedizin/Notfallmedizin,
93133 Burglengenfeld

Interessenkonflikte: Der Autor hat keine deklariert



Erschienen in: Der Allgemeinarzt, 2018; 40 (16) Seite 62