Symposium: Jeder Arzt kennt diese Diabetes-Patienten aus der Praxis: Inaktiver Lebensstil, ungesunde Ernährung, zu hohes Körpergewicht und HbA1c, Lipide und Blutdruck sind suboptimal eingestellt. Nur die Diabetes-Medikation zu adaptieren, ist in diesen Fällen nicht genug. Man muss an mehreren Schrauben drehen, um zum Erfolg zu kommen.

Erste Voraussetzung dafür ist, dass der Patient umdenkt, d. h. sich vom passiven Rezeptempfänger zu einem aktiven Patienten entwickelt, der die Eigenverantwortung für seine Gesundheit übernimmt und sein Verhalten ändert. Eine Diabetesschulung kann dies bewirken und dazu führen, dass allein durch die Verhaltensänderung der HbA1c-Wert abnimmt, erklärte Dr. Andreas Lueg, Hameln.

Bei der Ernährung kommt es nicht nur auf die Kalorienzahl und Zusammensetzung der Energieträger an, sondern auch auf die Zahl der Mahlzeiten. Hungergefühl, Gewicht und einige Parameter des Glukosestoffwechsels nahmen in einem Crossover-Vergleich [1] deutlich stärker bei Patienten ab, die zwei Mahlzeiten täglich konsumierten, im Vergleich zu denen, die die gleiche Energiemenge in sechs Mahlzeiten zu sich nahmen.

Man kann viel erreichen, wenn es gelingt, den Patienten zu regelmäßiger körperlicher Aktivität zu motivieren. Dies zeigt eine Untersuchung bei Typ-2-Diabetikern, die an einem Interventionsprogramm teilnahmen und unterschiedlich lange Zeit mit körperlicher Aktivität in Form von schnellem Spazierengehen zubrachten [2]. Klinisch relevante Effekte auf Gewicht, HbA1c-Wert, Blutdruck und Lipidstoffwechsel stellten sich ab einem Spazierpensum von wöchentlich 4 bis 5,5 Stunden ein.

Optimierte medikamentöse Therapie

Auch die medikamentöse Therapie lässt sich optimieren, wenn sich zeigt, dass Metformin alleine nicht mehr ausreicht. Will man die Therapie weiterhin oral durchführen, gibt es mit einem DPP4-Hemmer wie Sitagliptin (Xelevia®) eine gute Möglichkeit der Add-on-Therapie. Sie ist im Gegensatz zu Sulfonylharnstoffen weder mit einem Risiko für Gewichtsanstieg noch für Hypoglykämien verbunden. Auch ein Fixkombinationspräparat aus Metformin und Sitagliptin (Velmetia®) steht zur Verfügung. Da die Patienten meist auch noch ein Antihypertensivum und einen Lipidsenker nehmen müssen, vereinfacht eine Fixkombination die Therapie.


Literatur:
1) Kahleova H et al., Diabetologia 2014; 57: 1552–1560
2) Di Loreto C et al., Diab Care 2005; 28: 1295–1302

Martin Bischoff

Symposium: „Stoffwechselkonsequenzen der Adipositas – mehr als Typ-2-Diabetes“, Berlin-Chemie


Erschienen in: Der Allgemeinarzt, 2017; 39 (11) Seite 72-74