Zum 52. Mal tagte die Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM) Mitte September, diesmal umgeben von Bergen im schönen Innsbruck. Ein Sinnbild für die großen Pläne und Herausforderungen, die sich die DEGAM vorgenommen hat, heißt es im Kongressprogramm. Das Fazit: großes Interesse und Engagement der Kongressteilnehmer, vor allem unter den jungen und angehenden Hausärztinnen und Hausärzten, viele praxisnahe Workshops und Poster, intensiver Austausch unter den Kollegen, spannende Keynote-Sessions und berufspolitische Diskussionen. Offenbar ist der Kongresstitel "Wissenschaft braucht Hausärzte, Hausärzte brauchen Wissenschaft" auf fruchtbaren Boden gefallen.

Angelegt war die Tagung als gemeinsame Veranstaltung mit der österreichischen und Südtiroler Fachgesellschaft (ÖGAM und SÜGAM). Insgesamt besuchten über 600 Teilnehmer den Kongress, davon knapp die Hälfte Studierende und Ärzte in Weiterbildung. "Das ist ein sehr gutes Ergebnis", freute sich die DEGAM-Präsidentin Prof. Erika Baum" im Interview mit Der Allgemeinarzt (siehe Kasten).

Das vollständige Interview mit Prof. Dr. med. Erika Baum finden Sie hier.

Die Allgemeinmedizin nimmt eine ausgesprochen positive Entwicklung und auch ihr Image an den Universitäten steigt, stellte sie fest. Diese Botschaft wurde auch durch die Eindrücke auf diesem Kongress bestätigt. Dass die Forschung zunehmend Einzug in Hausarztpraxen nimmt, zeigten auch die vielen Referate und Posterbeiträge junger Kolleginnen und Kollegen, die sich mit viel Engagement der Untersuchung hausarztspezifischer Themen widmen.

Viele junge Teilnehmer

So konnte man z. B. in den über 100 Workshops und Postersessions spannende Einblicke in die Leitlinienarbeit der DEGAM erhalten, sich über die Chancen und Risiken der digitalen Arztpraxis informieren oder neue Erkenntnisse zur Arzt-Patienten-Kommunikation diskutieren. Weitere Schwerpunktthemen behandelten den Umgang von Hausärzten mit evidenzbasierter Medizin, Lehre und Nachwuchsförderung, Aus- und Weiterbildung, Versorgung chronisch Kranker und familienmedizinische Aspekte. Da sich zunehmend auch Medizinstudierende für die wissenschaftliche Allgemeinmedizin interessieren und in der "Jungen Allgemeinmedizin Deutschland (JADE) organisieren, gab es eine besondere Themenreihe "Junge Allgemeinmedizin". Ein neues Format waren die Werkstattberichte zu innovativen Konzepten der Versorgung und Weiterbildung.

Vielfältiges Programm

Bei den Keynote-Lectures begeisterten u. a. der Arzt und Schriftsteller Günther Loewit mit seinem provokanten Vortrag "Wie viel Medizin überlebt der Mensch", die Gesundheitswissenschaftlerin Ingrid Mühlhauser über die durch Evidenz informierte Patientenentscheidung und Frede Olesen aus Dänemark mit Überlegungen zum Thema "Der Arzt als Droge".

Der Festabend im "Theresienbräu" mit Tiroler Spezialitäten wurde außer zum kollegialen Austausch in entspannter Atmosphäre genutzt für diverse Grußworte von Prof. Dr. med. Erika Baum, den Kongresspräsidenten Prof. Dr. med. Andreas Sönnichsen (DEGAM) und Dr. med. Herbert Bachler (ÖGAM) sowie Hausärzteverbands-Chef Ulrich Weigeldt. Prof. Dr. med. Antje Bergmann verabschiedete die aktuelle Kohorte der Nachwuchsakademie und begrüßte die neue Gruppe. Dieses Förderprogramm der DEGAM bietet pro Jahr 15 interessierten Medizinstudierenden zwischen dem vierten und achten Semester während eines Zeitraums von drei Jahren frühzeitigen Kontakt zur Hausarztmedizin. Ein Vortragsformat, das sehr gut angenommen wurde, war der zu mehreren Terminen stattfindende Science-Slam. Über erste Preise konnten sich u. a. Navina Gerlach mit ihrer Spurensuche à la Sherlock Holmes zu den Beweggründen für eine Linksherzkatheter-Untersuchung sowie Barbara Plagg mit ihrem Max-und Moritz-Gedicht zum Thema "Gesundes Altern" freuen.

Anreize für den Nachwuchs

Durch die neuen Kompetenzzentren hofft die DEGAM, mehr Hausärzte für die Forschung gewinnen zu können. Dieses im Rahmen des Masterplans 2020 propagierte Förderprogramm erlaubt eine Förderung für Praxisnetze. Acht Forschungspraxisnetze in Deutschland könnten gefördert werden sowie eine übergreifende Organisation. Damit sind wir auf einem sehr guten Weg, ist Prof. Baum überzeugt.



Autorin:
Dr. med. Vera Seifert


Erschienen in: Der Allgemeinarzt, 2018; 40 (17) Seite 30-32