Das elegante Seebad Deauville, gelegen an der Blumenküste der Normandie, ist bekannt für seine großen Hotels und Luxusgeschäfte, Pferderennbahn und Casino. Festspiele über das Jahr verteilt locken Prominente und Gäste. Der idyllische Fischerort Trouville dagegen hat sich seinen Charme als Fischerhafen bewahrt, wie unsere Reiseautorin Heidrun Lange erfahren hat.

Entstanden ist das heutige Seebad Deauville Mitte des 19. Jahrhunderts als Ausflugsort für die Pariser hohe Gesellschaft. Vor allem die langen Strände lockten die aristokratischen Besucher an die Küste, aber auch das mondäne Spielcasino. In seiner Glanzzeit lockte Deauville zahlreiche Geschäftsleute, Künstler und Modeschöpfer aus dem nahen Paris an. Seit 1975 findet in Deauville das Festival des amerikanischen Films statt.

Sehen und gesehen werden

Sobald eine frische Meeresbrise weht, die bunten Sonnenschirme wie Farbtupfer im Sand leuchten, dann ist es nicht mehr weit zur Strandpromenade. Man kommt wegen des Meeres, das sich mal lieblich warm, dann jedoch stürmisch und kalt zeigt. Einfach nur baden oder schwimmen geht hier kaum. Im Grunde ist das für Besucher nicht so wichtig. Hier möchte man gesehen werden.

Auf der 643 Meter langen Planches, eine aus tropischen Holzplanken angelegte Promenade, sind die Umkleidekabinen berühmten Hollywood-Größen wie Harrison Ford, Gloria Swanson, Burt Lancaster oder Kirk Douglas gewidmet. Alles Stars, die bereits in Deauville beim alljährlichen Festival des amerikanischen Films dabei waren. Es kann durchaus passieren, dass man in einem der vielen Cafés oder Restaurants einem bekannten Schauspieler beim Muschelnessen gegenübersitzt.

Coco Chanel kopiert die Fischer

Nur wenige Meter von der berühmten Strandpromenade entfernt erinnert eine Gedenktafel an die Mode-Ikone Coco Chanel. Sie verbrachte viele Sommer in diesem eleganten Badeort, den sie durch ihren Liebhaber "Boy" Capel entdeckte. Deauville war ihr gemeinsamer Zufluchtsort. Coco ließ sich von den Hemden der Fischer am Hafen inspirieren und entwarf das berühmte Marinière – das gestreifte Seemanns-Shirt. Sie brachte frischen Wind mit französischer Leichtigkeit und Lässigkeit in die Mode. Es ist gar nicht schwer, sich vorzustellen, wie Coco mit einem lässig von sich gestreckten Bein am Ufer steht und bei Ebbe mit einem flachen Strohhut auf dem Kopf, einer Zigarette in der Hand., die Krabbenfischer beobachtet.

Sommerfrische für die Pariser

Mondäne Zeiten müssen es gewesen sein, als Anfang des 19. Jahrhunderts die Pariser der Stadt entflohen, um die Sommerfrische am Atlantik genießen zu können. Erinnerungen an rauschende Feste weckt das reich mit Marmor, Säulen und Gold verzierte Casino. Hat man in diesem pompösen Haus einen Tisch bestellt, kann man beim Roulette, Poker oder Black Jack sein Glück versuchen und eventuell sogar gewinnen, um es dann wieder auf der Pferderennbahn zu verwetten. Duc de Morny, passionierter Pferdefreund und Gründer des modernen Deauville, ließ die Rennbahn 1864 errichten, wo sich seitdem regelmäßig die Weltelite zu Turnieren versammelt.

Und wie sehen die Einwohner der knapp 4.000 Köpfe zählenden Stadt die großen Ereignisse? Gelassen. Sie sind stolz auf ihre Stadt, die vor Eleganz nur so sprüht. Lediglich einen Katzensprung vom berühmten Holzplankenweg, der Pferderennbahn und dem Casino entfernt stehen luxuriöse Villen und Ferienhäuser am Hafen. Familien mit Kindern können sich in der neu eröffneten Residenz Presqu'Ile de la Touques einmieten. Die normannischen Fachwerkhäuser mit steilen Dächern und Tonziegeln wurden großzügig im Schachbrettmuster am linken Touques-Ufer angelegt.

Trouville ist ein Fischerort mit Charme

Der Marktplatz ist von High-Fashion-Geschäften, exquisiten Cafés und Bäckereien umgeben. Diejenigen, die es ursprünglicher mögen, laufen über die Brücke, die Deauville mit dem Nachbarort Trouville verbindet, oder setzen mit der kleinen Fähre ans andere Ufer über. Allerdings sollte man auf die Gezeiten achten. Denn bei Ebbe sieht man die Schiffe auf dem Trockenen liegen. Dann heißt es: Warten, bis die nächste Flut kommt. Der historische Fischerort von einst ist heute immer noch eines der schönsten Viertel. Zuerst entdeckten Künstler die Region. Der Pariser Maler Charles Mozin fand die schönsten Landschaftsmotive. Der Schriftsteller Alexandre Dumas fühlte sich abgeschieden wie auf der Robinson-Insel.

Zuckersand und türkisfarbene Fluten sind geblieben, wie es sich für ein Seebad gehört. Hier kann man dem Treiben ungestört zuschauen. Die Fischkutter werden von laut kreischenden Möwen begleitet und vor der Markthalle stapeln sich die Kisten der Fischer mit Seezunge, Makrele, Wolfsbarsch oder Jakobsmuscheln. Jeder Koch, der etwas auf seine Küche hält, bringt den frischen Fang abends auf den Tisch. Wie Deauville hat auch Trouville einen kilometerlangen Sandstrand mit farbenkräftigen Sonnenschirmen, Strandkörben und Liegestühlen. Im Wasser schaukeln bunte Tretboote und Kajaks. Wer keine eigene Jacht mitgebracht hat, geht an Bord eines Ausflugsschiffes. Von der Aussichtsplattform hat man einen guten Blick auf den Ort, der kleiner als Deauville ist. Die Gassen mit uraltem Kopfsteinpflaster führen an winzigen Boutiquen vorbei in die Altstadt. Besucht man eines der Cafés, kommt man schnell ins Gespräch mit einem Einheimischen, der entspannt am Nachbartisch sitzt.

Heidrun Lange

Reise-Informationen

Tourismusverband der Normandie ( http://www.normandie-urlaub.com )

Atout France, Französische Zentrale für Tourismus, http://www.france.fr

Tipp für Übernachtung: In Deauville wurde eine neue Residenz eröffnet: Die Premium-Residenz Presqu‘Ile de la Touques. Die Urlaubsresidenz befindet sich zwischen Deauville und Trouville, 300 m vom Bahnhof entfernt ( http://www.pierreetvacances.com ).

Anreise: Flüge nach Paris von Berlin: u. a. Air France, Lufthansa. Dann geht’s weiter mit dem Mietauto oder mit dem Zug vom Bahnhof Saint-Lazare Paris. Circa 2,5 Stunden.

Zugverbindungen, Fahrplan und Preise sowie Online-Buchung von Paris unter http://www.de.oui.sncf/de .


Erschienen in: Der Allgemeinarzt, 2020; 42 (18) Seite 68-70