Die Corona-Pandemie hat Gesellschaft und Wirtschaft durcheinandergewirbelt. Auch für Ärzte sind die Zeiten turbulent geworden. Von Anfang an standen vor allem Hausärzte im Zentrum des Corona-Sturms, mussten ihre Praxisabläufe umstellen und beobachten, dass viele Patienten dem Wartezimmer aus Angst lieber fernblieben. Umsatzeinbrüche waren und sind die Folge. Viele Ärzte blicken pessimistisch wie nie zuvor in die Zukunft, wie eine aktuelle Studie zeigt.

Die Stiftung Gesundheit ermittelt mit ihrem Medizinklimaindex (MKI) halbjährlich, wie Ärzte, Zahnärzte und Psychotherapeuten in Deutschland ihre wirtschaftliche Lage beurteilen. Anlässlich der Coronakrise gibt es nun eine Sondererhebung, die Anfang bis Mitte Mai durchgeführt wurde. Und die zeigt: Die wirtschaftlichen Erwartungen der Praxisinhaber haben sich in der Coronakrise deutlich abgekühlt. Der Medizinklimaindex, der seit zwei Jahren nur knapp im negativen Bereich lag, stürzte infolge der Krise auf einen Wert von minus 25,1. Einen stärkeren Rückgang hat es in der Geschichte des MKI noch nicht gegeben, so die Studienautoren.

Hausärzte noch am "optimistischsten"

Betrachtet man den MKI nach Fachgruppen getrennt, zeigt sich, dass die Hausärzte unter den Fachärzten mit einem Minus von 28,4 vergleichsweise noch am wenigsten pessimistisch sind. Bei den Spezialisten und Zahnärzten liegt der Stimmungsindex mit minus 30,2 und minus 32,2 noch niedriger. Der Index der Psychologischen Psychotherapeuten hat zwar ebenfalls deutlich an Wert verloren (-21,4), liegt aber noch immer im positiven Bereich (+3,6).

Verantwortlich für den starken Absturz ist in erster Linie eine pessimistische Erwartungshaltung der Praxisinhaber für die kommenden sechs Monate. 65,4 % der Teilnehmer vermuten, dass ihre wirtschaftliche Lage sich in den kommenden sechs Monaten verschlechtern wird. 28,4 % der Befragten erwarten keine Veränderung. Lediglich 6,2 % rechnen mit einer wirtschaftlichen Verbesserung.

Aber auch der Blick auf die aktuelle Situation fällt bei den Praxisinhabern trübe aus. Nur noch weniger als ein Drittel (31,8 %) bewerten ihre wirtschaftliche Lage mitten in der Coronakrise als "gut", 45,3 % halten sie noch für "befriedigend", aber 22,8 % stufen sie als "schlecht" ein. Damit hat sich der Wert der Teilnehmer, die ihre Lage als schlecht einschätzen, im Vergleich zur Erhebung direkt vor der Pandemie fast verdoppelt.

Die Situation speziell bei den niedergelassenen Hausärzten weicht von den fachübergreifenden Durchschnittszahlen nur unwesentlich ab. Bei ihnen schätzen 34,5 % die aktuelle wirtschaftliche Lage als gut ein. 46,6 % sind zufrieden, während 19,0 % die Lage als schlecht bewerten. Die Erwartungen für die kommenden sechs Monate sind bei 5,2 % gut, 17,2 % erwarten Kontinuität und 77,6 % schauen pessimistisch in die Zukunft.

Medizinmarkt steht noch relativ gut da

Die Lage ist also angespannt. Ob da ein Blick auf die Situation in anderen Branchen die Laune noch etwas verbessern kann? Tatsächlich zeigt ein Vergleich des Medizinklimaindex zu den ifo-Geschäftsklimata ausgewählter Berufssparten, dass der Medizinmarkt die ersten drei Monate der Krise noch verhältnismäßig gut überstanden hat. In anderen Branchen sanken die Werte deutlich stärker: z. B. im Handel auf minus 30,5 oder im verarbeitenden Gewerbe auf minus 36,4. Nur im Bauhauptgewerbe (-12,0) und im Dienstleistungssektor (-21,0) ist die Stimmung derzeit besser.

Dr. Ingolf Dürr


Erschienen in: Der Allgemeinarzt, 2020; 42 (12) Seite 22-23