Die Berufshaftpflichtversicherung ist für Ärzte eine Pflichtversicherung, deren Bedeutung immens werden kann, auch für Allgemeinärzte. Verschiedene Gründe führen jedoch dazu, dass die Beiträge immer teurer werden.

Nun mag sich manch ein Hausarzt die Frage nach dem realistischen Risiko eines Behandlungsfehlers im Vergleich z. B. mit einem chirurgisch tätigen Kollegen stellen. Ein Blick in die statistische Erhebung der Gutachterkommission und Schlichtungsstelle der Bundesärztekammer [1] zeigt jedoch, dass sich 2017 die Hausärzte mit 276 Fällen auf Platz zwei der am häufigsten beteiligten Fachgebiete bei Arzthaftpflichtfragen im niedergelassenen Bereich befanden (nach Unfallchirurgen/Orthopäden; Schlichtungsfälle insgesamt: 2.054). Fehlende Differenzialdiagnose, misslungene Naht-Nachbehandlung oder falsche Rezeptausstellungen – Fälle, in denen Allgemeinärzte von Patienten an den "Pranger" der Schlichtungsstelle gestellt wurden, gibt es vielfach [2]. Interessant aber: Laut der Statistik traten die beiden häufigsten Fehler in der Niederlassung nicht etwa bei Eingriffen, sondern im Bereich der Diagnose auf [1, 3].

Die oben genannte Statistik zeigt jedoch auch, dass sich manch ein Beschwerdefall auch über die Schlichtungsstellen klären lässt und längst nicht jeder Fehler vor Gericht landet. Tritt dies aber doch ein und kann der Arzt im Falle eines nachgewiesenen Behandlungsfehlers nicht auf eine Berufshaftpflichtversicherung zurückgreifen, haftet er mit seinem Privatvermögen – dies kann eine wahre Existenzgefährdung darstellen. Die Berufshaftpflichtversicherer prüfen im Schadensfall die Patientenforderungen auf rechtlicher Basis, wehren unberechtigte Haftungsansprüche ab oder begleichen einen nachgewiesenen Schaden.

Deckungslücken prüfen

Die Versicherungssituation stellt sich je nach Arbeitsverhältnis in der Hausarztpraxis unterschiedlich dar. So besteht bei angestellten Ärzten in einer Praxis z. B. die Möglichkeit, dass ihre dienstlichen Tätigkeiten über ihren Arbeitgeber abgesichert werden. Hier sollten aber unbedingt mögliche Deckungslücken geprüft und ggf. zusätzlich durch eine eigene Versicherung abgedeckt werden. Eine solche Lücke kann z. B. die Unterscheidung zwischen leichter, mittlerer und grober Fahrlässigkeit sein. Während die ersten beiden häufig über den Arbeitgeber mitversichert sind, ist die grobe Fahrlässigkeit in manchen Fällen nicht mitabgedeckt und der angestellte Arzt haftet selbst. Bei niedergelassenen Ärzten ist eine eigene Berufshaftpflichtversicherung, die sämtliche Tätigkeiten abdeckt, unabdingbar. Denn er haftet nicht nur für seine eigenen Tätigkeiten, sondern ggf. auch für die seiner Angestellten und u. U. sogar für die seiner Praxispartner.

Ärztliches Restrisiko bedenken

Unabhängig davon, ob man sich in eigener Niederlassung oder im Angestelltenverhältnis befindet, muss bei der Versicherung mitberücksichtigt werden, ob nebendienstliche Tätigkeiten wie Notdienste oder auch Praxisvertretungen, Gutachter- oder Konsiliartätigkeiten mit abgedeckt sind. Insbesondere bei angestellten Ärzten, die über ihren Arbeitnehmer mitversichert sind, dürften diese Versicherungsfälle nicht abgedeckt sein. Wichtig ist auch das häufig unterschätzte sogenannte ärztliche Restrisiko, also ärztliche Tätigkeiten über das Dienstverhältnis hinaus, wie z. B. Notfalleinsätze, Erste-Hilfe-Maßnahmen oder Behandlungen von Freunden und Familie nach Dienstschluss. Ärzte, die in den Ruhestand gehen, sollten darüber hinaus frühzeitig eine Klausel oder einen gesonderten Vertrag für eine mögliche Nachhaftung in Erwägung ziehen, denn manch ein Behandlungsfehler entpuppt sich womöglich erst nach einigen Jahren als solcher.

Deckungssummen sind entscheidend

Sich der Berufshaftpflichtversicherung zu entziehen ist somit keinem Arzt angeraten. Spielraum hat er nur bei der Festlegung der Deckungssumme, welche selbstverständlich auch Einfluss auf die Höhe der Versicherungsprämie hat. Hier ist es jedoch wichtig, sich keine Fehleinschätzung zu leisten. Wie hoch die Versicherungsprämie ausfällt, hängt natürlich von dem ärztlichen Fachbereich und dem damit in Verbindung stehenden individuellen Risiko ab. Da Personenschäden die höchsten Kosten nach sich ziehen, wird Ärzten eine Deckungssumme von drei bis fünf Millionen Euro empfohlen. Doch dieses hohe Risiko im Gesundheitsbereich lassen sich die Versicherungen einiges kosten. Insbesondere in den letzten Jahren sind die Prämien gestiegen, was sich aber auch mit veränderten Bedingungen erklären lässt.

Gründe für die gestiegene Gefahr, als Arzt mit einem Haftungsfall mit extrem hohem Kostenaufwand konfrontiert zu werden, erklärt die Deutsche Ärzteversicherung unter anderem mit folgenden Punkten:
  • Patienten sind anspruchsvoller und kritischer gegenüber Ärzten geworden. Die Tendenz, den Arzt bei nicht erwartungsgemäßer Behandlung zu verklagen, steigt.
  • Durch die stetig steigende Anzahl von Diagnoseverfahren erhöht sich auch die Gefahr, wegen unterlassener Diagnosemöglichkeiten belangt zu werden.
  • Die Rechtsprechung entscheidet immer deutlicher zugunsten der Patienten und der Sozialversicherungsträger.
  • Steigende Lebenserwartung führt gleichzeitig zu höheren Heilbehandlungs-, Pflege- und Rentenkosten.
  • Die Kosten für Pflege sind in den vergangenen Jahrzehnten massiv gestiegen, neue Therapieformen sorgen ebenfalls für einen Kostenanstieg.

Abgrenzung zum Strafrechtsschutz

Ebenfalls wichtig zu beachten ist, ob im Rahmen der Berufshaftpflichtversicherung auch ein Strafrechtsschutz inbegriffen ist. Kommt es je nach Schaden z. B. zu einer Klage wegen Körperverletzung, werden die Kosten für ein Strafverfahren ggf. nicht automatisch von der Berufshaftpflichtversicherung übernommen. Es besteht jedoch die Möglichkeit, dass diese Versicherung bereits Bestandteil der Rechtsschutzversicherung ist, dies gilt es zu prüfen.


Literatur:
1. Statistische Erhebung der Gutachterkommission und Schlichtungsstelle der Bundesärztekammer vom 4. April 2018; https://www.bundesaerztekammer.de/fileadmin/user_upload/downloads/pdf-Ordner/Behandlungsfehler/Praesentation_Behandlungsfehler-Statistik_2018.pdf
2. Schlichtungsstelle für Arzthaftpflichtfragen der norddeutschen Ärztekammern, Fallsammlungen Allgemeinmedizin; https://www.norddeutsche-schlichtungsstelle.de/fallsammlung/allgemeinmedizin/
3. Fischer G, Schlichtungsstellen: Hausärzte machen eher bei der Diagnose Fehler, Der Allgemeinarzt (2017); 39 (13): 32-33



Autorin:
Yvonne Schönfelder

Erschienen in: Der Allgemeinarzt, 2019; 41 (4) Seite 64-65