Bernadett Hilbert (30 Jahre) studierte an der Technischen Universität München Humanmedizin. Seit dem Jahr 2014 absolviert sie die Weiterbildung zur Fachärztin für Allgemeinmedizin – zunächst in der stationären Inneren, Neurologie und Psychiatrie, aktuell in einer hausärztlichen Praxis. Sie ist seit 2012 DEGAM-Mitglied und gehörte dem ersten Jahrgang der DESAM-Nachwuchsakademie (2012 – 2014) an. Darüber hinaus engagiert sie sich in der Jungen Allgemeinmedizin Deutschland (JADE) als Vorstandsmitglied für "Regionales und Netzwerk" sowie im Vorstand in der Deutschen Stiftung für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DESAM).

Was ist die DESAM?
Die Deutsche Stiftung für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DESAM) unterstützt den allgemeinmedizinischen Nachwuchs sowie die allgemeinmedizinische Forschung. Mit ihren Förderprogrammen möchte die Stiftung mehr Medizinstudierende für den Hausarztberuf begeistern. Die Nachwuchsakademie Allgemeinmedizin ist ein bundesweit einmaliges Programm. Jedes Jahr werden 15 Medizinstudierende neu aufgenommen und über drei Jahre individuell gefördert. Die Stiftung wurde 1973 von der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin, der wissenschaftlichen Fachgesellschaft der Allgemeinmedizin, gegründet. Die Stiftung hat ihre Geschäftsstelle in Berlin und fördert Medizinstudierende aus dem kompletten Bundesgebiet.

Der Allgemeinarzt: Frau Hilbert, warum möchten Sie Hausärztin werden?

Bernadett Hilbert: Ich habe im Krankenhaus bisher in verschiedenen Abteilungen arbeiten dürfen: Innere Medizin, Neurologie und Psychiatrie. Jedes dieser Fächer hat mich sehr interessiert. Allerdings beschränkte ich mich nie darauf, sondern wollte mich zum Beispiel in der Psychiatrie auch um den Blutdruck und die Rückenschmerzen des Patienten kümmern. In der Allgemeinmedizin darf ich nun den ganzen Menschen mit all seinen Erkrankungen behandeln. Darüber hinaus ist es keine "Fließbandarbeit" wie in mancher Klinikabteilung, sondern Hausarzt und Patient bauen über viele Jahre eine intensive Beziehung auf. Das ist mir besonders wichtig.

Warum ist es wichtig, die Allgemeinmedizin im Studium präsenter zu machen?

Mich selbst hat damals ein engagierter Lehrarzt der Technischen Universität München für die Hausarztmedizin begeistert. Er berichtete in verschiedenen Vorlesungen von der Allgemeinmedizin und "brannte" offensichtlich für seinen Beruf. Ohne dieses positive Rollenvorbild hätte ich vielleicht nie oder erst sehr spät den Weg zur Allgemeinmedizin gefunden. Aus diesem Grund ist es so wichtig, dass die Medizinstudierenden möglichst früh mit der Allgemeinmedizin in Kontakt kommen. Darüber hinaus ist ein Ausbau der allgemeinärztlichen Forschung ungemein wichtig. Neue Studienergebnisse und Leitlinien können Hausärzten Sicherheit geben, in einer Zeit, in der die Entwicklungen in der Medizin immer schneller und komplexer werden.

Sie engagieren sich bei der DESAM für die Förderung der Aus- und Weiterbildung. Was ist Ihnen dabei besonders wichtig?

Ich selbst bin überzeugt, in der Allgemeinmedizin meinen Traumberuf gefunden zu haben. Dies liegt unter anderem an dem abwechslungsreichen Berufsalltag, dem großen Gestaltungsspielraum in der eigenen Praxis und der Industrieunabhängigkeit unserer Fachgesellschaft DEGAM. Wenn zudem mehr Dozenten an der Universität und Ärzte in hausärztlichen Praktika unserem Nachwuchs diese Vorteile vermitteln, wird sich ein größerer Anteil für unser Fach entscheiden. Hierbei ist der Ausbau der allgemeinärztlichen Lehre an allen Universitätsstandorten entscheidend. Des Weiteren müssen die Praktika in den Hausarztpraxen strukturiert durchgeführt und evaluiert werden. Auch sollten Lehrärzte verpflichtend an "Train the trainer"-Seminaren teilnehmen müssen. Darüber hinaus können Medizinstudierende in Programmen wie der Nachwuchsakademie oder der Summerschool zusätzlich von der Allgemeinmedizin begeistert werden.

Welchen Beitrag können die Kompetenzzentren Weiterbildung Allgemeinmedizin hier leisten?

Die Kompetenzzentren sind ein wichtiger Schritt in Richtung Strukturierung und Verbesserung der allgemeinärztlichen Weiterbildung. Sie erleichtern darüber hinaus die Vernetzung der einzelnen Ärzte in Weiterbildung und können somit ein Baustein sein, um die Attraktivität des Faches Allgemeinmedizin weiter zu steigern. Die wenigsten Ärzte meiner Generation wollen als "Einzelkämpfer" arbeiten. Aus diesem Grund ist es wichtig, dass die DESAM die Kompetenzzentren unterstützt.

Wo sehen Sie die Allgemeinmedizin und sich selbst in fünf Jahren?

In fünf Jahren wird hoffentlich jeder Universitätsstandort über einen Lehrstuhl für Allgemeinmedizin verfügen. Ich bin optimistisch, dass dann ein weitaus größerer Anteil der Medizinstudierenden verstehen wird, welch attraktives Tätigkeitsfeld die Hausarztpraxis darstellt. Auch die deutsche Gesundheitspolitik wird dann hoffentlich weiter steuernd eingreifen und die Position des Hausarztes stärken, indem weitere Schritte in Richtung Primärarztsystem unternommen werden. Ich hoffe, dass ich im Rahmen meiner Tätigkeiten bei der JADE und der DESAM zu einer positiven Entwicklung unseres Faches beitragen kann.



Autorin:
Dr. med. Bernadett Hilbert

Erschienen in: Der Allgemeinarzt, 2019; 41 (7) Seite 44-45