Man hört und liest immer wieder über eine schnelle Bestimmung des C-reaktiven Proteins (CRP) in der eigenen Praxis oder im Notdienst, um virale von bakteriellen Infektionen zu unterscheiden und so eine sichere Entscheidung für oder gegen eine Antibiotikatherapie zu treffen. Was hat es damit auf sich? Antworten auf diese Fragen gab Professor Tobias Tenenbaum, Universitätsklinik für Kinder- und Jugendmedizin in Mannheim.

Wie funktioniert so ein Schnelltest in der Praxis überhaupt?

Das CRP kann mit Hilfe verschiedener kommerziell erwerblicher Schnelltests sowohl aus kapillärem als auch aus venösem Blut (Vollblut, Serum, Plasma) bestimmt werden. Die benötigten Probenvolumina sind meist sehr gering. Die Schnelltests, sogenannte Point-of-Care-(POC-)Tests, können je nach Herstellerprodukt den CRP-Wert entweder qualitativ oder semiquantitativ anzeigen. In der Regel handelt es sich um einen chromatografischen Immunoassay. Die Entscheidung für oder gegen eine antiinfektive Therapie kann letztendlich nicht sicher mit einer CRP-Bestimmung allein getroffen werden. Klinische Kriterien und die Differenzierung bakterieller Ursachen für ein erhöhtes CRP sind zu berücksichtigen.

In welchen Behandlungssituationen kann ein CRP-Schnelltest hilfreich sein? Gibt es auch unklare Ergebnisse?

In folgenden Situationen kann ein POC-CRP hilfreich sein:

1. Die Anamnese, die Symptome und das Ergebnis einer sorgfältigen klinischen Untersuchung des Kindes lassen oftmals keine sichere Unterscheidung zwischen einer viralen und einer bakteriellen Atemwegsinfektion zu. Hieraus wächst in der Praxis die Unsicherheit, ob ein Antibiotikum verordnet werden soll oder nicht. Ein negatives CRP kann die Entscheidung gegen eine Antibiotikaverordnung unterstützen und Verordnungen "nur zur Sicherheit" reduzieren.

Es muss jedoch berücksichtigt werden, dass einige lokale bakterielle Infektionen, zum Beispiel eine bakterielle Otitis media oder ein Erysipel, auch mit einem negativen CRP-Wert einhergehen. Andererseits können auch Virusinfektionen (z. B. Adenoviren) mit einem erhöhten CRP-Spiegel einhergehen.

Linktipp
Zur gemeinsamen Empfehlung verschiedener pädiatrischer Fachgesellschaften und des Berufsverbandes der niedergelassenen Kinder- und Jugendärzte in Deutschland gelangt man über die Homepage der Deutschen Gesellschaft für pädiatrische Infektiologie e.V. (DGPI). Rubrik "Publikationen": Diagnose und Therapie von Atemwegsinfektionen (ohne ambulant erworbene Pneumonie) bei ambulant behandelten Kindern ohne schwerwiegende Grunderkrankung.

2. Wenn ein Kinder- und Jugendmediziner kein Antibiotikum verschreiben möchte, die Eltern des Kindes jedoch sehr in Richtung eines Antibiotikums drängen, kann ein negatives CRP eine Argumentationshilfe darstellen. Den Eltern sollte jedoch auch primär vermittelt werden, dass die klinische Einschätzung des Arztes aufgrund seiner klinischen Untersuchung maßgeblich für die Entscheidung für oder gegen eine Antibiotikaverordnung ist.

3. Der POC-CRP-Wert kann außerdem für die Einschätzung der Schwere des Krankheitsbildes hilfreich sein. So kann eine schwere invasive bakterielle Infektion mit einem negativen CRP weitestgehend ausgeschlossen werden, sofern die Erkrankungszeit nicht zu kurz ist, das heißt nicht unter 12 beziehungsweise 24 Stunden. In diesem Fall kann der CRP-Anstieg noch nachhinken. Bei einem sehr hohen CRP, über 60 bis 80 mg/l, wird eine schwere bakterielle Infektion jedoch wahrscheinlicher. Allein vom CRP eine ambulante Antibiotikatherapie oder Hospitalisierung abhängig zu machen, ist jedoch nicht sinnvoll, da zum Beispiel Säuglinge und junge Kleinkinder auch mit einer viralen Infektion ein schweres Krankheitsbild entwickeln können. Daher ist die klinische Einschätzung für die ärztliche Entscheidung für oder gegen Antibiotika beziehungsweise Hospitalisation essenziell.

Gibt es dazu aktuelle Studiendaten?

Die aktuelle Studienlage zum Einsatz der POC-CRP deutet zumindest bei Erwachsenen darauf hin, dass bei einem gezielten Einsatz dieses Labortests der Anteil letztlich nicht begründeter Verschreibungen von Antibiotika im ambulanten Versorgungssektor reduziert werden kann. Es geht hierbei vor allem um Atemwegsinfektionen, die den größten Teil aller entsprechenden Konsultationen in der Praxis für Kinder- und Jugendmedizin und im kinderärztlichen Notdienst ausmachen. Ob sich diese Ergebnisse auf Kinder übertragen lassen, muss in weiteren Studien geklärt werden.

An dieser Stelle sei darauf hingewiesen, dass kürzlich eine Konsensusempfehlung (vgl. Linktipp) verschiedener pädiatrischer Fachgesellschaften und des Berufsverbandes der niedergelassenen Kinder- und Jugendärzte in Deutschland veröffentlicht wurde, welche die klinischen Symptome und die Diagnostik sowie die Indikationen für eine leitlinienkonforme antibiotische Therapie von Atemwegsinfektionen, exklusive Pneumonie, beschreibt. Sie soll Kinder- und Jugendmediziner und Allgemeinärzte bei einem restriktiven Antibiotikaeinsatz, bei der Auswahl des bestmöglichen Antibiotikums und im Hinblick auf eine möglichst kurze Therapiedauer unterstützen. Des Weiteren werden Atemwegsinfektionen beschrieben, bei denen keine Antibiotikatherapie erfolgen sollte oder bei denen nur sehr selten eine Antibiotikatherapie erforderlich ist.

Genehmigter und bearbeiteter Nachdruck aus "Kinderärztliche Praxis" 1/2018


Weiterführende Literatur
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Autor:

Prof. Dr. med. Tobias Tenenbaum

Pädiatrische Infektiologie und Pneumologie, Universitätsklinik für Kinder- und Jugendmedizin
D-68167 Mannheim

Interessenkonflikte: Der Autor hat keine deklariert



Erschienen in: Der Allgemeinarzt, 2019; 41 (19) Seite 63-64