In der Debatte um das Terminservice- und Versorgungsgesetz (TSVG) spielte auch die Frage nach den Arbeitszeiten von Ärzten (und Psychotherapeuten) eine nicht unwichtige Rolle. Schließlich sieht das Gesetz für einige Fachgruppen mehr Sprechstundenzeiten vor. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung legte nun Zahlen vor, die zeigen sollen, dass Ärzte ohnehin schon überdurchschnittlich viel arbeiten. Für angestellte Ärzte gilt das aber eher nicht – und das könnte zum Problem werden.

Etwa 49 Stunden pro Woche arbeiteten niedergelassene Vertragsärzte laut dem Praxis-Panel des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung (Zi) im Jahr 2015. Betrachtet man nur die durchschnittliche Wochenarbeitszeit der Ärzte, so ergibt sich für das Jahr 2015 sogar ein Wert von 51,5 Wochenstunden für Praxisinhaber. Zum Vergleich: Gemäß der Arbeitskräfteerhebung der EU betrug die gewöhnliche Wochenarbeitszeit der Selbstständigen in Deutschland im Jahr 2015 durchschnittlich 42,3 Stunden. Im Vergleich hierzu waren die Ärzte für ihre Patienten im Jahr 2015 also etwa 7 Stunden pro Woche länger im Arbeitseinsatz.

Um 5 Stunden mehr Zeit für die Patienten zu schaffen, wäre es daher sinnvoller, die Ärzte und Psychotherapeuten von bürokratischen Aufgaben zu entlasten, so das Zi, denn insgesamt etwa 14 Stunden pro Woche betrug der durchschnittliche Umfang von Arbeiten, die nicht im Kontakt mit den Patienten erfolgen. Hinsichtlich der subjektiven Bewertung der Arbeitsbelastung gaben etwa 50 % der befragten Ärzte und Psychotherapeuten an, mit ihrer Arbeitszeit zufrieden zu sein. Etwa 41 % bewerteten ihre Arbeitszeit hingegen als weniger gut, etwa 9 % schätzten den Zeitumfang ihrer Tätigkeit als schlecht ein.

Angestellte Ärzte arbeiten weniger

Im Vergleich zu den Praxisinhabern ergeben sich für angestellte Ärzte in der vertragsärztlichen Versorgung deutlich geringere Arbeitszeiten. Im Zi-Praxis-Panel lag die durchschnittliche Wochenarbeitszeit der angestellten Ärzte im Jahr 2016 bei etwa 23 Stunden und damit bei etwa der Hälfte der wöchentlichen Arbeitszeit für ärztliche Tätigkeiten der Praxisinhaber. Deutlich wird, dass besonders viele angestellte Ärzte teilzeitbeschäftigt sind. Am häufigsten (23 %) wurden Arbeitszeiten der angestellten Ärzte zwischen 15 und 20 Stunden pro Woche genannt. Zu beobachten ist außerdem, dass die Arbeitszeiten der angestellten Ärzte weiter abnehmen. Während im Jahr 2015 noch etwa ein Fünftel der angestellten Ärzte mit 35 bis 50 Wochenstunden nahezu Vollzeit arbeitete, waren es im Jahr 2016 nur noch rund 16 %. Gleichzeitig stieg die Zahl der angestellten Ärzte, die weniger als 15 Stunden pro Woche arbeiten, auf rund ein Drittel (2015 waren es noch weniger als 30 % gewesen). Ursache hierfür könnte sein, dass die Inhaber aus Kosten- oder Bedarfsgründen häufig Teilzeitstellen anbieten. Denkbar ist auch, dass die Nachfrage nach Teilzeitbeschäftigung in der ambulanten Versorgung vor allem bei jüngeren Ärzten in der Familiengründungsphase groß ist.

Für die ambulante medizinische Versorgung sind das keine guten Vorzeichen. Denn die Zahl der angestellten Ärzte steigt seit Jahren kontinuierlich. Laut Angaben der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) gab es im Jahr 2014 knapp 25.000 angestellte Ärzte in der vertragsärztlichen Versorgung, 2015 waren es bereits mehr als 27.000, im Jahr 2016 rund 30.000 und im Jahr 2017 über 33.000.

Man muss wohl der Tatsache ins Auge blicken, dass es nicht genügt, nur die Zahl der Arztköpfe zu zählen. Denn mit der stetigen Zunahme angestellter Ärzte in der ambulanten Versorgung geht gleichzeitig die durchschnittliche Arbeitszeit je Arzt und die Zeit für Patienten zurück.



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Erschienen in: Der Allgemeinarzt, 2019; 41 (8) Seite 32-33