Die Hämatospermie ist definiert als Blutbeimengung im Sperma, die meistens schmerzlos auftritt, die den Patienten in der Regel aber stark beunruhigt. Je nachdem, wie häufig sich das Symptom bemerkbar macht, empfehlen sich lediglich eine Basisdiagnostik oder auch speziellere Untersuchungen. Ein einmaliges Ereignis hat in der Regel keinen Krankheitswert.

Der Altersgipfel der Hämatospermie liegt zwischen dem 30. und 40. Lebensjahr. Betroffene Patienten sind beunruhigt und suchen schon nach einem oder spätestens zwei Ereignissen den Urologen oder Hausarzt auf.

Ursächlich dominieren bei den unter 40-jährigen Patienten gutartige Erkrankungen, bei den über 40-jährigen Patienten treten jedoch auch vereinzelt Malignome auf. Das Blut in der Samenflüssigkeit kann seinen Ursprung im Hoden, Nebenhoden, Ductus deferens, in der Prostata, den Samenblasen, der Harnblase, den bulbourethralen und periurethralen Drüsen wie auch der Urethra haben. Dies erklärt auch die mannigfaltige ätiologische Vielfalt. So kommen ursächlich z. B. eine Prostatitis, Urethritis, Harnröhrenstriktur, Polypen der Prostata, Samenblasenzysten, Prostatazysten oder Tumoren der Prostata und der Hoden vor.

Systemische Erkrankungen wie die arterielle Hypertonie, Koagulopathien, Lebererkrankungen oder die Hämophilie können ebenfalls gefunden werden. Eine traumatische Genese wie ein Hoden- oder Perinealtrauma muss ausgeschlossen werden. Als iatrogene Ursache der Hämatospermie findet sich heute am häufigsten die Prostatastanzbiopsie im Rahmen der Abklärung eines Prostatakarzinoms bei erhöhtem PSA-Wert. In 39 % der Fälle kann eine infektiöse Ursache gefunden werden, 46 % der Fälle bleiben jedoch ätiologisch unklar (idiopathische Hämatospermie). Die Pathophysiologie der idiopathischen Hämatospermie ist bis heute nicht vollständig geklärt. Mitunter wird eine Läsion der hinteren urethralen Venen diskutiert, die während des Orgasmus und der damit begleitenden Kontraktion der Beckenbodenmuskulatur auftritt.

Diagnostik

In der urologischen Praxis hat sich zur Abklärung der Hämatospermie ein Stufenschema als sehr nützlich erwiesen (vgl. Übersicht). Bei erstmaliger/einmaliger Hämatospermie genügen die Anamnese, klinische Untersuchung inklusive digital-rektaler Untersuchung, Sonographie des Harntrakts und der Geschlechtsorgane, Urinstatus und Urinkultur sowie zum Ausschluss einer arteriellen Hypertonie die Blutdruckmessung (Basisuntersuchung).

Bei rezidivierender oder persistierender Hämatospermie ist dann die weitere Diagnostik in Form von Spermiogramm, transrektalem Ultraschall (TRUS) und bei über 40-jährigen Patienten die PSA-Bestimmung erforderlich (Spezialuntersuchung). Darüber hinaus wird eine hämatologische Abklärung empfohlen. Zur differenzierten Abklärung kann hier auch die Magnetresonanztomographie (MRT) des kleinen Beckens zum Ausschluss von Pathologien im Bereich der Prostata und Samenblasen eingesetzt werden. Die Urethrozystoskopie ist bei persistierender Hämatospermie zum Ausschluss einer vesikalen, prostatischen oder urethralen Läsion indiziert (Tumoren der Harnblase, Varizen bei benigner Prostatahyperplasie, Harnröhrenstrikturen, u. a.). Bei gleichzeitig vorliegender Hämaturie ist sie obligat.

Therapie

Die Therapie richtet sich nach den erhobenen Befunden und Pathologien. Infektionen werden antibiogrammgerecht behandelt, tumoröse Veränderungen werden operativ saniert. Hämatologische Erkrankungen werden im jeweiligen Fachgebiet weiter abgeklärt und behandelt. Bei Vorliegen einer arteriellen Hypertonie muss der Blutdruck eingestellt werden. Da jedoch sehr häufig, v. a. bei jüngeren Patienten, keine Pathologien als Ursache für die Hämatospermie gefunden werden, hat der behandelnde Arzt die Aufgabe, den Patienten zu beruhigen und entsprechend zu beraten. Die einmalig auftretende Hämatospermie hat in den meisten Fällen keinen Krankheitswert.

Der konkrete Fall

Ein 44-jähriger Patient hat zum zweiten Mal eine Hämatospermie nach dem Geschlechtsverkehr beobachtet. Gemäß des oben ausgeführten Stufenschemas sollte neben der Basisuntersuchung eine weitergehende Abklärung erfolgen. Neben der Anfertigung eines Spermiogramms sollten der TRUS und eine PSA-Bestimmung erfolgen. Bei nach wie vor unklarer Ursache werden die MRT und die Urethrozystoskopie empfohlen. Die Vorstellung bei einem Hämatologen könnte zeitgleich erfolgen.

Bei Vorliegen einer pathologischen Veränderung in den untersuchten Organsystemen kann entsprechend therapiert werden. Sollten alle o. g. Untersuchungen keine Pathologien aufzeigen, stehen die Beruhigung des Patienten und die Aufklärung über ein benignes, selbstlimitierendes Geschehen an erster Stelle. Ggf. kann eine Verlaufskontrolle nach sechs bis zwölf Monaten mit Wiederholung der Basisuntersuchung erwogen werden.


Interessenkonflikte:
keine deklariert

Dr. med. Georgios Hatzichristodoulou


Kontakt:
Dr. med. Georgios Hatzichristodoulou, F.E.B.U.
Facharzt für Urologie
Urologische Klinik und Poliklinik
Technische Universität München
Klinikum rechts der Isar
81675 München

Erschienen in: Der Allgemeinarzt, 2011; 33 (18) Seite 18-19