02.02.2012 Veränderte Gehirnstrukturen bei Adipositas

Dass sich dieses Verhalten auch im Gehirn widerspiegelt, haben unlängst Leipziger Wissenschaftler gezeigt: In Hirnarealen, die an der Bewertung von Belohnungsreizen und an der zentralen Steuerung des Energiehaushalts im Hypothalamus beteiligt sind, fanden die Forscher im Vergleich zu Normalgewichtigen strukturelle Veränderungen.
Bei übergewichtigen Frauen waren zusätzlich jene Hirnregionen auffällig, die für die Verhaltenskontrolle wichtig sind. Um zu verstehen, wie das Gehirn Hunger- und Sättigungsgefühle reguliert und das Essverhalten steuert, nutzten die Wissenschaftler unter anderem bildgebende Verfahren wie die Magnetresonanztomografie (MRT).
Beim Vergleich der Hirnstrukturen fanden die Forscher nicht nur Unterschiede zwischen dicken und dünnen Menschen, sondern auch zwischen den Geschlechtern. So könnten die Erkenntnisse etwa Hinweise darauf geben, warum Frauen häufiger adipös werden als Männer, und wie Verhaltenstherapien effektiv gestaltet werden könnten. Noch sei allerdings unklar, ob die veränderten Gehirnstrukturen Ursache oder Folge des ungesunden Essverhaltens sind.
Hunger und Appetit werden im Gehirn über ein kompliziertes System vernetzter Strukturen reguliert. Eine wichtige Rolle spielen dabei Hormone, die von den Zellen des Fettgewebes und des Verdauungstraktes ausgeschüttet werden und der Schaltzentrale im Gehirn – dem Hypothalamus – melden, wie es um die Energiereserven bestellt ist.
Ob ein Mensch zur Sahneschnitte greift oder nicht, hängt allerdings nicht allein davon ab, ob er tatsächlich Energie benötigt. Das limbische System ordne den Nahrungsreizen einen emotionalen Wert zu und erzeugt das subjektive Erleben von Appetit, so die Autoren. Die Belohnungseffekte, die durch das Essen erzeugt werden, könnten zu einer Art Suchtverhalten führen.
Horstmann A et al. (2011) Front Hum Neurosci. 2011;5:58. DOI: 10.3389/fnhum.2011.00058
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