Wie groß die Verärgerung ist, wenn Patienten wieder einmal wochen- oder gar monatelang auf einen Facharzttermin warten müssen, bekommen auch die Hausärzte mit.

Die Regierung hat deshalb mit den Terminservicestellen versucht, das Übel an der Wurzel zu packen. Genutzt hat dies bisher aber wenig. Wenn man der jüngsten Versichertenbefragung der KBV Glauben schenken will, hat jeder 5. gesetzlich Versicherte beim letzten Facharztbesuch immer noch länger als 4 Wochen warten müssen. Und dass die Terminservicestellen einen Webfehler haben, zeigt sich darin, dass 52 % auf einen vermittelten Termin verzichten, wenn dieser sie nicht zum Wunscharzt führt. Es ist bei den Fachärzten genauso wie bei den Hausärzten: Patienten wollen zum Arzt ihres Vertrauens, weil sie sich nur dort gut aufgehoben und behandelt fühlen.

Hausärzte sind ungleich verteilt

Doch mit den Terminservicestellen hat die Regierung zumindest Handlungsbereitschaft gezeigt. Diese Einsicht scheint bei den Krankenkassen vollständig zu fehlen. Den Vogel schießen dabei die Ersatzkassen im jüngsten Ersatzkassen-Report Bayern ab. Dort wird verkündet, dass in Bayern ein Überhang von 1.210 Hausärzten besteht. 11 von bundesweit 20 hausärztlichen Planungsbereichen mit einem Versorgungsbedarf von über 140% befinden sich in Bayern. Hier beklagen die Ersatzkassen zu Recht das allseits bekannte Problem, dass Hausärzte nicht bedarfsgerecht, sondern höchst ungleich verteilt sind. Ja, stimmt. Suchen Sie mal einen Hausarzt in den abgelegenen Teilen des Spessarts!

Anders stellt sich dies aber bei den Fachärzten dar. Zwar wird auch hier eine eklatante Überversorgung beklagt. In 91% aller Planungsbereiche gibt es zu viele Fachärzte und in 40% davon viel zu viele, weil dort der Überversorgungsgrad bei über 140% liegt. Bei den Orthopäden sind es sogar 157%. In Zahlen ausgedrückt: Im Freistaat gibt es 3.443 Fachärzte zu viel, davon allein 340 Orthopäden.

Bedarfsplanung muss aktualisiert werden

Doch bei den Fachärzten sind in ganz Bayern nur noch 2 von 79 Planungsbereichen unterversorgt. Es kann also nicht die ungleiche Verteilung der Fachärzte sein, wenn man als GKV-Versicherter monatelang auf einen Orthopäden-Termin warten muss. Die Schlussfolgerung der Ersatzkassen ist deshalb hier falsch. Eher liegt es an den Bedarfsplanungs-Richtlinien, die wohl nicht mehr die Realität widerspiegeln. Denn der vermehrte Zulauf zu Fachärzten hat gleich mehrere Gründe: immer bessere medizinische Möglichkeiten, reduzierte Arbeits- und Praxisöffnungszeiten, vermehrter direkter Zugang zu den Fachärzten nach Abschaffung der Praxisgebühr oder noch zu wenige Hausarztverträge, die den Patienten zunächst einmal an den Hausarzt binden.

Dieses Fass will aber bei den Kassen kaum jemand aufmachen. Denn dies würde bedeuten, dass die ärztliche Bedarfsplanung an die heutigen Anforderungen angepasst werden müsste, was wiederum automatisch erhebliche Mehrkosten verursachen würde. Und diese fürchten nicht nur die Ersatzkassen wegen dann drohender Zusatzbeiträge wie der Teufel das Weihwasser. Deshalb wird erst mal alles beim Alten bleiben, weil auch künftig viele Patienten keinen Hausarzt mehr in ihrer Nähe haben werden und auf den nächsten Facharzttermin viel zu lange warten müssen, fürchtet

Ihr

Raimund Schmid


Erschienen in: Der Allgemeinarzt, 2016; 38 (16) Seite 34