Unterwegs zwischen Jurten und Palästen, auf Basaren und in Steppendörfern, auf dem Schiffsfriedhof am Aralsee und in der Stadt mit dem Goldenen Menschen am Kaspischen Meer. All das erinnert auf Schritt und Tritt an die unzähligen Geschichten und Legenden aus Tausendundeiner Nacht, die in die Kindheit zurückversetzen. Entdecken kann man all dies bei einer Sonderzugfahrt über 4.000 Kilometer vom usbekischen Taschkent bis ins kasachische Atyrau, wie unser Reiseautor Ulrich Uhlmann berichtet.

Die ehrwürdige usbekische Oasenstadt Chiwa am Rande der Karakumwüste ist Welterbe der UNESCO und der wohl am ursprünglichsten erhaltene Ort an der Seidenstraße. Weder Hochhäuser noch Industrieanlagen versperren den neugierigen Blick auf 2.500-jährige Historie.

Hat der Reisende die neueren Stadtteile durchquert und steht er vor der mächtigen Stadtmauer mit ihren Toren und Bastionen aus Lehmziegeln, glaubt er sich in eine andere Welt versetzt. Blaugrün schillernde Paläste, Moscheen und Medresen – ehemals religiöse Hochschulen – mit prächtigen Majolikaverkleidungen, hoch aufragende Minarette, kunstvoll mit gläsernen Kacheln verzierte Mausoleen und Karawansereien mit einzigartigen Holzschnitzereien säumen auf engstem Raum die schmalen Gassen.

Blickfang ist das unvollendete Kalta Minor, das Kurze Minarett. Buntfarben-leuchtend erreicht es mit einem Durchmesser von vierzehn Metern gerade mal die doppelte Höhe. Die Mär: Der Meister baute es nicht höher, weil er dem Emir von nebenan ein größeres zugesagt hatte.

Rund um das Kalta Minor pulsiert auch heute das Leben wie in alten Zeiten: Auf dem Basar wird gehandelt und gefeilscht und mit einem Handschlag der gelungene Kauf besiegelt. In ehemaligen Koranschulen entdecken Schulklassen die Geschichte ihres Landes. Und in der früheren Residenz des Khans lassen sich Brautpaare fürs Familienalbum fotografieren.

Weiter geht die Reise nach Buchara. Mitten in der Wüste Kizilkum gelegen, umgeben von Baumwollfeldern und Obstplantagen, weist die Stadt – sie zählt ebenfalls zum UNESCO-Welterbe – mehr als 1.000 Baudenkmäler aus, die an die Glanzzeiten der Großen Seidenstraße erinnern.

Handel und Handwerk auf der Seidenstraße

Fremdländische Gewürze, Pelze und vor allem Seidenstoffe wurden damals in den Karawansereien gelagert und umgeschlagen. Zu sehen davon sind in Buchara neben zahlreichen Prachtbauten in allen Ecken der verwinkelten Altstadt drei von ehemals fünf Handelsgewölben aus dem 16. Jahrhundert: die der Juweliere, der Hut- und Mützenmacher und der Geldwechsler. In ihnen gab es jeweils bis zu dreißig Läden und Arbeitsstätten mit dem regen, vielfältigen Treiben des Orients. Noch heute ist hier alte Handwerkskunst zu Hause. Da wird gehämmert und geschnitzt, gedrechselt und gewebt und nebenbei gar manche Tasse Tee getrunken.

Einst wachte über die Handelseinnahmen mit harter Hand der Emir von Buchara, der unweit im Ark, der städtischen Festung, seine Residenz hatte. Gab es Unbotmäßige, folgten Hinrichtungen. In der Festungsmauer ist noch jetzt der Erker zu sehen, wo der Khan seine Urteile verkündete und ihre Vollstreckung überwachte. Geblieben ist auch im nahen Umland von Buchara der sehenswerte Sommerpalast des letzten regierenden Emirs, der 1920 vor Aufständischen und der Roten Armee fluchtartig das Land in Richtung Kabul verließ.

Ein orientalischer Traum

Der nächste Stopp ist Samarkand, die Glanzvolle. Was wäre sie ohne ihren Registan, dem "Sandplatz"? An den Außenseiten ist er von drei mächtigen Medresen mit ihren geruhsamen Innenhöfen umgeben, wo heute die Souvenirverkäufer den Platz der Koranschüler einnehmen. Beeindruckend in Verzierung und Farben die riesigen Prunkportale, die aufeinander ausgerichtet und von schlanken Minaretten gesäumt sind. Farbenprächtige Mosaiken und Ornamente als Wandschmuck versetzen den Betrachter in eine Traumwelt. Im Hintergrund glitzern die Kuppeln der Moscheen wie in orientalischen Märchen. Man kann sich so recht das Marktleben vergangener Jahrhunderte auf dem eindrucksvollsten Platz Zentralasiens vorstellen: Da gab es zu kaufen, was Morgen- und Abendland zu bieten hatten; da zeigten Gaukler und Seiltänzer ihr Können.

Nur ein Schritt von Europa nach Asien

An der um 1640 gegründeten Stadt Atyrau beeindruckt nicht nur das größte Lenin-Standbild Zentralasiens, sondern vor allem der Uralfluss, der die kasachische Stadt in eine gleich große asiatische und europäische Hälfte teilt. In nur wenigen Minuten eilt der Besucher von einem Kontinent zum anderen. 405 Meter beträgt die Spannweite der Fußgängerbrücke mit Blick auf die Skyline. Unten am Fluss im schattigen Ufergesträuch zahlreiche Angler, die ihrem Hobby nachgehen. 45 Kilometer weiter verläuft sich der Uralfluss in einem großflächigen Delta am Kaspischen Meer.

Reisetipps
Reiseliteratur: Dumont Kunst-Reiseführer "Zentralasien", DuMont Reiseverlag, 25,90 €; "…entlang der Seidenstraße – Der Reiseführer für den Hintergrund", Wostok Verlag, 15,00 €; "Usbekistan – Land zwischen Orient und Okzident", Wostok Verlag, 14,00 €.

Informationen: Der Berliner Reiseveranstalter Lernidee Erlebnisreisen betreibt den Orient Silk Road Express exklusiv. Unterschiedliche Reisevarianten zwischen 10 und 14 Tagen sind ab 2.270 €, einschl. Flügen ab/bis Deutschland, buchbar. Weitere Informationen unter http://www.lernidee.de oder telefonisch unter 030/7860000.



Autor:
Ulrich Uhlmann

Erschienen in: Der Allgemeinarzt, 2017; 39 (12) Seite 96-98