Die Tempel der Khmer sind längst kein Geheimtipp mehr. Im kambodschanischen Urwald gelegen, teils überwuchert von gigantischen Wurzeln, haben sie nichts von ihrer Mystik und Faszination eingebüßt. Was für ein eigenartiger Kontrast zur urbanen Glitzerwelt Singapurs.

Ayurvedische Zahnpasta und bunte Blumengirlanden im Stadtteil Little India, die goldene Kuppel der Sultan Moschee ein paar Straßen weiter, der glitzernde Neubau des Buddha Tooth Relic Temple in China Town – kaum irgendwo sonst erlebt man auf einer Fläche von gerade mal 682 Quadratkilometern so vielfältige Gerüche, Farben, Sprachen wie in Singapur. Der 1965 von Großbritannien unabhängig gewordene kleinste Staat Südostasiens wird dicht bevölkert von immerhin fünf Millionen Menschen. Wegen seiner vorbildlichen Infrastruktur und seines wenig demokratischen politischen Systems schon mal als "Wohlfühldiktatur" bezeichnet, gelingt Singapur ein friedliches Zusammenleben von Menschen unterschiedlichster Herkunft und Religion.

Die Handelsmetropole, gegründet 1819 von Sir Stamford Raffles, der im Dienste der Britischen Ostindien-Kompanie unterwegs war, boomt. Geschäftsleute aus aller Herren Länder eilen in der Mittagspause durch die feucht-warmen Häuserschluchten des Finanzdistrikts. Neben vielen Touristen sitzen sie in Hemd und Krawatte bei einem der flinken Köche der Hawker, wie die Straßenküchen genannt werden.

Die Kriminalitätsrate im Stadtstaat ist extrem niedrig. Bei den Hawkern im Lau Pa Sat Festival Market sieht man schon mal ein Handy auf dem Tisch liegen, mit dem ein Banker sorglos seinen Tisch reserviert, um schnell beim Inder ein vegetarisches Byriani zu holen, während sein Kollege an einer Garküche zwei Meter weiter knusprige Popiah bestellt, mit knackigem Gemüse gefüllte Frühlingsrollen, oder Xiao Long Bao, gedämpfte Klößchen mit Schweinefleisch in scharfer Sauce. Löhnt man in den trendigen Restaurants in der teuersten Stadt der Welt ganz schnell hundert Dollar, wird man auf der Straße für ein paar Dollar aufs Angenehmste satt.

Architektonische Highlights wie das Marina Bay Sands Hotel mit seinem spektakulären Pool auf der Dachterrasse in 200 Metern Höhe und den künstlichen Supertrees vor der Tür, verbunden mit einem aussichtsreichen Skywalk, faszinieren. Das Art Science Museum ähnelt einer Lotusblüte, das Dach der Konzerthalle erinnert an die Haut der trotz ihres Aas-Geruchs bei Einheimischen so beliebten Durian-Früchte. Im Botanischen Garten wuchern die prächtigsten Orchideen wie andernorts Unkraut, im Zoologischen Garten begegnet man nachtaktiven Dschungelbewohnern. Die nachtaktiven Städter schlürfen derweil im legendären Raffles Hotel einen Singapore Sling oder blicken von einer der zahlreichen Terrassen auf die glitzernde Stadt.

Reiseinformationen Singapur
Deutsche erhalten bei Einreise eine Aufenthaltsgenehmigung für bis zu 90 Tage. Von jedem Reisenden werden an der Passkontrolle bei Ein- und Ausreise Fingerabdrücke digital eingescannt. In Singapur kann es auf eine Vielzahl von Delikten, insbesondere Drogenhandel, zu einer Verurteilung zur Todesstrafe kommen. Auch Prügelstrafen drohen. Homosexuelle Handlungen zwischen Männern sind nach wie vor strafbar.

Gesundheit: Bei direkter Einreise aus Deutschland bestehen keine Impfvorschriften. Aus Singapur werden viele Fälle von Zika-Virus-Infektionen und Dengue-Fieber gemeldet, für die es keine Impfungen und keine Behandlung gibt. Deshalb ist der Schutz vor Mückenstichen ganztägig durch geeignete Kleidung und Insekten-Repellents essenziell, auch wenn Singapur als malariafrei gilt. Die medizinische Versorgung im Lande hat ein hohes Niveau und ist vor allem in privaten Krankenhäusern sehr teuer. Ein ausreichender, weltweit gültiger Krankenversicherungsschutz und eine zuverlässige Reiserückholversicherung werden auch wegen hoher Krankenhaus- und Arztrechnungen, die meist sofort beglichen werden müssen, dringend empfohlen.

Geld: Der Singapur-Dollar (SGD) ist unterteilt in 100 Cent. Die günstigsten Umrechnungskurse bieten die autorisierten Wechselstuben (Licensed Money Change) an. Kreditkarten werden überall akzeptiert.

Vom Großstadtdschungel in das Tempeldickicht

Nach einigen Tagen im Großstadtdschungel reizt uns das mystische, von Würgefeigen und anderen Regenwaldriesen überwucherte Reich der Khmer. Ein kurzer Flug vom bestens organisierten Changi Airport nach Siem Reap, und schon brausen wir mit dem Tuk Tuk zum gebuchten Hotel in der südkambodschanischen Touristenmetropole. Der Fahrer holt uns tags darauf ab und bringt uns zuerst einmal zum Ticketverkauf für das "Angkor World Heritage". Drei Tage können wir uns zwischen den so unterschiedlichen Tempelanlagen bewegen. Unser freundlicher Sopheak wartet stets mit seinem dreirädrigen Gefährt, gibt noch den einen oder anderen Tipp zu den verschiedenen Komplexen. Ein gut Englisch sprechender Guide erklärt uns am zweiten Tag Kunsthistorisches und erinnert sich an die grausamen 1970er-Jahre, als Kambodscha unter dem Terror der Roten Khmer litt.

Wer den Sonnenuntergang am Phnom Bakheng oder den Sonnenaufgang in Angkor Wat erleben möchte, darf nicht menschenscheu sein. Auch tagsüber bilden sich hie und da Warteschlangen, da der Zugang zu einigen Arealen sinnvollerweise limitiert wird. Wer die Tempel aus dem 12. und 13. Jahrhundert auf eigene Faust besucht, findet aber immer wieder verwunschene, überwucherte Ecken, in denen er sich als Entdecker fühlen darf. Waren die Anlagen einst dem Hindu-Gott Vishnu gewidmet, werden sie seit dem 14. Jahrhundert von Theravada-Buddhisten verehrt. Immer wieder leuchten die orangefarbenen Gewänder der Mönche zwischen den dunklen Sandsteinen.

Reiseinformationen Kambodscha
Deutsche Staatsangehörige können bei Ankunft auf dem Flughafen Siem Reap ein Visum für einen Aufenthalt bis 30 Tage erhalten.

Gesundheit: Zika-Virus, Dengue-Fieber. Phnom Penh und Angkor Wat gelten als malariafrei. Auch hier ist der Schutz vor Mückenstichen die wichtigste Gesundheitsvorsorge. Touristen, die in ländliche Gebiete reisen wollen, sei Japan-Encephalitis- und vor allem Tollwut-Impfung empfohlen. Typhus- und Cholera-Schluckimpfungen sind bei Fernreisen pauschal empfehlenswert, Letztere insbesondere wegen ihrer Wirksamkeit gegen ETEC, die weltweit häufigsten bakteriellen Durchfallerkrankungen.

Geld: Währung ist der Riel (KHR), gängiges Zahlungsmittel der US-Dollar.

Siem Reaps Partymeile rund um die Pub Street ist bei Backpackern aus aller Welt beliebt, das Angebot an preiswertem Essen, reichlich Alkohol und Dienstleistungen aller Art, von denen uns lediglich die Fußmassage interessiert, scheint den Geschmack der Reisenden zu treffen. Wir gönnen uns am Tag vor der Rückreise einen Kochkurs am Pool unseres Hotels. Auf dem Stundenplan stehen die vitaminreichen Frühlingsrollen Nem Sross, Amok Khmer (Fischcurry im Bananenblatt) und andere Köstlichkeiten. Bei allen Unterschieden: Für leckeres Essen ist in Kambodscha und in Singapur gleichermaßen gesorgt.



Autoren:
Andrea und Dr. Johannes Reck

Erschienen in: Der Allgemeinarzt, 2017; 39 (8) Seite 110-112