Ein Kongress zum Wohlfühlen – so könnte man die Veranstaltung beschreiben, die zum 33. Mal in der niedersächsischen Hansestadt ein Fortbildungs-Forum für Allgemeinärzte und deren Praxisteams bildete. Die Redaktion der Zeitschrift Der Allgemeinarzt war erstmals als Medienpartner vor Ort und eins steht jetzt schon fest: Wir kommen wieder!

Was macht den Charme des Seminarkongresses Norddeutscher Hausärzte aus? Warum ist das Interesse so groß? Der Teilnehmerrekord vom letzten Jahr mit ca. 1.300 Buchungen wurde auch in diesem Jahr nicht unterschritten.

Fortbildung hautnah

Erstens wird einiges geboten in Sachen Fortbildung: stolze 52 Seminare waren es diesmal mit sehr praxisrelevanten Themen wie Palliativmedizin, Pädiatrie, Hautkrebsscreening, Orthopädie oder Wundversorgung. Selbst Hand anlegen wurde dabei oft großgeschrieben, wie bei der Einschätzung von Hautveränderungen bei einem Probanden, beim Tapen, Sonographieren oder beim Notfall-Seminar. Auch das Praxismanagement kam nicht zu kurz, Bespiele dafür: Abrechnung, Steuerfragen, Antikorruptionsgesetz, Fehlermanagement oder Kommunikation.

Politik im Forum

Zweitens bietet der Kongress auch eine Plattform für politische Themen. Im traditionellen Politik-Forum ging es dieses Jahr um den Masterplan Medizinstudium 2020, den Ausbau von Medizin-Studienplätzen, die Digitalisierung in Hausarztpraxen und die Hausarztzentrierte Versorgung. In diesem Zusammenhang war Kongressleiter Dr. med. Matthias Berndt stolz darauf, verkünden zu können, dass es in Niedersachsen mittlerweile eine Million versicherte HZV-Patienten gibt. "Ein Meilenstein", so Berndt, "mit dem vor Jahren niemand gerechnet hat." Auch in diesem Jahr gab es eine Veranstaltung für Medizinstudenten: "Karriere Allgemeinmedizin" und eine Veranstaltung für’s Publikum – den "Gesundheitstag" in der Innenstadt zum Thema "Medienkompetenz".

Familien willkommen

Drittens – und das ist das Besondere an diesem Kongress – wird hier der familiäre Aspekt ganz groß geschrieben. Damit ist zum einen die "Praxisfamilie" gemeint, denn viele Praxen sehen in Lüneburg ein "Team-Event" und reisen mit der gesamten Praxis-Mannschaft an, inklusive MFA und Studenten. Zum anderen sind aber auch echte Familienmitglieder herzlich willkommen. Die Kinderbetreuung umfasst sogar ein kindgerechtes Buffet, einen Kindertisch und Kino-Zimmer. Und mitgereisten Partnern, die nicht am Kongress teilnehmen wollen, steht z. B. die Salü-Therme direkt gegenüber vom Hotel zur Verfügung. "Wir möchten, dass eine Kongressteilnahme nicht an familiären Verpflichtungen scheitert und dass die Hausärzte beides haben können: qualifizierte Fortbildung und ein schönes Wochenende mit der Familie", meint der wissenschaftliche Leiter Rüdiger Quandt.

Eine Stadt mit Charme

Last not least sollte erwähnt werden, dass Lüneburg ein ganz besonders hübsches und lebendiges Städtchen ist, in dem es sich in den Gassen und auf den großen Plätzen der historischen Altstadt oder am idyllischen Hafen gut flanieren lässt. Wir haben uns hier jedenfalls mehr als wohl gefühlt. In einer so herzlichen Atmosphäre macht Fortbildung Spaß. Wir kommen auf jeden Fall wieder. Und Sie?

Interview
Ein Fazit zum Kongress zogen der wissenschaftliche Leiter Rüdiger Quandt und Dr. Matthias Berndt, Landesvorsitzender Niedersachsen. Das Video mit dem Interview finden Sie online: http://www.allgemeinarzt-online.de/a/1826725



Autorin:
Dr. med. Vera Seifert

Erschienen in: Der Allgemeinarzt, 2017; 39 (11) Seite 34-36