Die Bahamas – ein Paradies der Karibik: 700 größere Inseln – nur 30 davon bewohnt – und um die 2.400 Riffe liegen zwischen Florida und der Südspitze Kubas. Genug Raum also für einen Robinson-Crusoe-Urlaub, meint unser Reiseautor Ulrich Uhlmann und hat es ausprobiert. Begleiten Sie ihn auf seinem Insel-Trip.

Traumziel – das könnte der bahamaische Exuma-Archipel sein. 365 Inseln und winzige Inselchen, meist menschenleer, ziehen sich wie eine Perlenkette dicht bei dicht fast 200 Kilometer von Süd nach Nord – nur etwa 45 Flugminuten von Florida oder der bahamaischen Hauptstadt Nassau entfernt. Winzige Fischerdörfer, aber auch eindrucksvolle Anwesen der Reichen und Schönen säumen die feinsandigen Strände hinter dem türkisfarbenen Meer weit ab vom Massentourismus.

Bei so vielen Eilanden liegt es nahe, diese mit einem Boot zu erkunden. Michael Luik, gebürtiger Stuttgarter und Küchenchef des Resorts Sandals Emerald Bay auf der Insel Great Exuma, empfiehlt uns unbedingt einen Besuch bei den "Schwimmenden Schweinen" einzuplanen. Wo gibt es das sonst auf der Welt, dass sich Borstenvieh so gekonnt in Meereswellen tummelt? Also wird ein Speedboot angemietet. Mit bis zu 100 Stundenkilometern geht es übers offene Meer, hindurch zwischen Inseln und Riffen. Auf dem Weg zu den Schweinen machen wir einen Zwischenhalt auf Allan´s Cay.

Felsenleguane mit Sehschwäche

Das Boot läuft auf den hellen, feinkörnigen Sandstrand der unbesiedelten Insel auf. Und schon kommt es zwischen Gestein und Gebüsch hervor – urzeitliches Getier, die Felsenleguane. Flink, sich fast überschlagend, huschen sie in Richtung Besucher. Schließlich wartet das tägliche Zusatz-Frühstück auf die bis über einen Meter langen pflanzenfressenden Echsen. Putzig sind sie anzuschauen mit ihrer blau-roten Kopfzeichnung und dem gezackten Drachenschwanz. An die 1.000 Tiere sollen es sein auf Allan´s Cay. Nun machen sie sich über die Mitbringsel der Touristen her. Obst ist begehrter Leckerbissen. Doch Vorsicht: Da die Felsenleguane eine leichte "Sehschwäche" haben, verwechseln sie schnell Früchte und Finger.

Wie kommen Schweine auf eine einsame Insel?

Der nächste Stopp dann auf der ebenfalls unbewohnten kleinen Insel Big Major: Aus dem Ufergesträuch kommen sie grunzend heran, die rund 30 munteren Schweine samt jugendlichem Nachwuchs; die einen ferkelrosa wie Hausschweine, die anderen dunkelbraun oder grau gefleckt, ähnlich den Wildschweinen. Schwimmend und planschend nähern sie sich dem Boot und fordern prustend ihr Mittagsmahl. Brot ist gefragt, aber auch Grünes und Saftiges und sogar ein Schluck Mineralwasser aus der Flasche. Die ganz Mutigen unter dem Borstenvieh versuchen wie einst die Piraten der Exumas, das Schifflein zum Obst-Nachschlag zu entern. Das aber scheitert – es war vorauszusehen – am tierischen Gewicht. Dafür sind die Bootsausflügler nun zum Schwimmen mit den Rüsseltieren eingeladen.

Unbeantwortet bleibt jedoch für den neugierigen Reisenden die Frage: Wie kamen die "Schwimmenden Schweine" nach Big Major Cay? Die einen vermuten, auf der Insel hätte es einst Bewohner gegeben, die die Schweine später sich selbst überließen; die anderen meinen, sie seien vor langer Zeit bei einem Schiffsunglück oder bei einem Sturm über Bord gespült worden und hätten sich auf das Eiland gerettet.

Schwimmen mit Haien

Da aller guten Dinge drei sind, macht das Powerboot bei Compass Cay fest. Besitzer ist Tucker Rolle, der als einziger dunkelhäutiger Bahamaer, wie er sagt, eine Insel sein Eigen nennt. Sein Leben hat er den Ammenhaien verschrieben. Vor über einem Jahrzehnt verletzt aus einem Fischernetz geborgen, wurden die Jungfische von Tucker Rolle aufgezogen. Der meterlange Hai-Nachwuchs tritt noch heute anhänglich in der Marina von Compass Cay zur täglichen Fütterung an, lässt sich streicheln und knabbert an den Zehen der Gäste. Wer Mut und dabei nichts zu verlieren hat, kann sogar gemeinsam mit den eigentlich friedfertigen Ammenhaien ein Stück im Meer schwimmen. Bisher jedenfalls, versichert Tucker Rolle schmunzelnd, sind alle Schwimmer wohlbehalten an Land zurückgekommen.

Übrigens gehört der 80-Jährige zu den Hunderten Exumas-Bewohnern – insgesamt bevölkern die Inselgruppe über 7.000 Bahamaer –, die alle den gleichen Nachnamen Rolle nach dem ehemaligen Sklavenhalter ihrer Vorfahren tragen. Eigene Familiennamen gab es damals für sie nicht. Lord John Rolle, der größte Baumwollpflanzer weitum, überschrieb angeblich in den 1830er-Jahren seinen umfangreichen Landbesitz an seine 300 Plantagensklaven. Heute leben ihre Nachkommen in den entlegenen Inselsiedlungen auf eigenem Boden von Fischerei, Tourismus und kärglicher Landwirtschaft – ein karibisches Paradies auch mit Schattenseiten.

Reisetipps
Reiseliteratur: Tipps für individuelle Entdecker "Bahamas", Iwanowskis Reisebuchverlag, 18,95 €; Marco Polo "Karibik – Große Antillen", MairDumont, 11,99 €

Informationen: Bahamas Tourist Office, Limburger Str. 3, 61462 Königstein/Frankfurt; Tel. 06174/619014, Fax 06174/619442; info@bahamas.de , http://www.bahamas.de . Ganzjahres-Reiseziel; Anfang August bis Mitte/Ende Oktober evtl. Tropensturmzeit (auf den Inseln, außer Nassau, die meisten Hotels geschlossen). Deutsche, Österreicher und Schweizer benötigen bis 90 Tage kein Visum, aber Weiterreise- oder Rückflugticket. Impfungen nicht vorgeschrieben; auf Moskitoschutz achten. Währung Bahamas-Dollar, gleich US-Dollar; alle Einkäufe usw. mit USD möglich.

Unterkunft: u. a. Sandals Resorts ab 3.000 € pro Pers. im DZ z. B. bei DERTOUR; einschl. All inclusive, Langstreckenflüge Frankfurt-Nassau, 3 Nächte Sandals Royal Bahamian auf New Providence, Zubringerflüge Nassau-George Town auf Great Exuma, 4 Nächte Sandals Emerald Bay auf Great Exuma. Weitere Auskünfte: Sandals & Beaches Resorts, Grafenberger Allee 72, 40237 Düsseldorf; Tel. 0211/4057700, info@sandalshotels.de .



Autor:
Ulrich Uhlmann

Erschienen in: Der Allgemeinarzt, 2017; 39 (4) Seite 82-84