Die meisten Menschen mit Diabetes werden vom Hausarzt betreut. Auch die Schulung kann in der Hausarztpraxis stattfinden, wenn die Voraussetzungen erfüllt sind.

In der "Nationalen VersorgungsLeitlinie Diabetes – Strukturierte Schulungsprogramme" wurden mehr als 250 randomisierte Studien, mehrere Metaanalysen und systematische Reviews bewertet. Es konnte gezeigt werden, dass die Schulung sehr effektiv ist und sowohl die glykämische Kontrolle, Akutkomplikationen, das Gewicht, therapierelevante Verhaltensweisen, aber auch die Lebensqualität und Patientenzufriedenheit positiv beeinflusst. Der mittlere Effekt einer Schulung auf den HbA1c-Wert beträgt ca. 0,7 – 0,8 % und ist damit klinisch sehr bedeutsam. Zudem stellt die Schulung eine vergleichsweise sehr günstige Therapiemaßnahme dar. Daher sollte eigentlich jeder Diabetespatient möglichst bald nach der Manifestation eine Schulung erhalten und zumindest immer dann, wenn Insulin ins Spiel kommt. Die Schulung erfolgt nicht wie früher im Krankenhaus, sondern ist primär eine ambulante Aufgabe.

Umsetzung in der Hausarztpraxis

In der Hausarztpraxis ist es oft jedoch nicht einfach, diesen Anspruch auch tatsächlich umzusetzen. Denn dafür sind neben den entsprechenden Schulungsmaterialien, der nachzuweisenden Qualifikation zur Schulung und einem geeigneten Schulungsraum auch qualifiziertes Personal und eine gewisse Organisation notwendig. Das kann nicht jede Hausarztpraxis leisten. Zudem ist der Diabetes nicht die einzige Krankheit, bei der eine Patientenschulung sinnvoll ist. Das Zentrum für Patientenschulung listet über 150 Patientenschulungsprogramme im Bereich Orthopädie, Rheumatologie, Endokrinologie/Stoffwechselkrankheiten, Gastroenterologie, Herz-/Kreislauferkrankungen, Dermatologie/Allergologie/Pneumologie, Onkologie, Neurologie und Psychiatrie auf.

Allerdings muss die Schulung nicht vom Arzt persönlich erbracht werden. In der Regel wird die Schulung von Typ-2-Diabetes von speziell ausgebildeten MFAs erbracht, die möglichst auch eine Weiterbildung zur/zum Diabetesassistenten/in haben. Deren Ausbildung dauert vier Wochen, bislang wurden deutschlandweit über 7.200 ausgebildet (www.deutsche-diabetes-gesellschaft.de).

Kooperation gefragt

Eine gute Möglichkeit besteht auch darin, die Schulung im Verbund mit anderen Hausärzten und möglichst in Kooperation mit einem Krankenhaus und einer diabetologischen Schwerpunktpraxis durchzuführen. Häufig wird hierfür die Rechtsform eines Schulungsvereins e. V. benutzt, der eine Abrechnungsziffer bei der KV beantragt und die Leistung in der Regel mit Honorarkräften erbringt und direkt mit der KV abrechnet. Oder der Patient wird nur mit dem Auftrag zur Schulung zu einer diabetologischen Schwerpunktpraxis überwiesen, wo meist alle verschiedenen Schulungsformen an verschiedenen, für den Patienten jeweils günstigen Zeiten angeboten werden. In Deutschland gibt es flächendeckend rund 1.200 diabetologische Schwerpunktpraxen, häufig geleitet von Allgemeinmedizinern oder hausärztlich tätigen Internisten. Hier arbeiten auch mehr als 3.000 speziell für die Patientenschulung ausgebildete Diabetesberater/innen.◾

15 Diabetes-Schulungsprogramme finden Sie im Online-Shop des Kirchheim-Verlags (Der Allgemeinarzt) http://www.kirchheim-shop.de .




Autor:

Prof. Dr. phil.Bernhard Kulzer

Diabetes Zentrum Bad Mergentheim, Forschungsinstitut Diabetes-Akademie Bad Mergentheim (FIDAM), 97980 Bad Mergentheim

Erschienen in: Der Allgemeinarzt, 2016; 38 (14) Seite 65