Frage: Mein Patient (58 Jahre, Landwirt) wird seit zwei Jahren behandelt mit Candesartan 32/12,5 1-0-0 wegen arterieller Hypertonie. Seit vielen Jahren sind rezidivierende starke Wadenkrämpfe, v. a. nachts bekannt. Seit ca. 1/2 Jahr kommt es wiederholt zu sehr schmerzhaften Muskelkrämpfen der Finger, die dann sichtbar deformiert sind. Der Schmerz kann nur durch manuellen Gegendruck reduziert werden. Nach einigen Minuten lösen sich die Spasmen wieder auf. Der Patient trinkt pro Tag ca. 1 – 1,5 l Spezi bzw. Cola. Meine Frage: Können die beschriebenen Muskelkrämpfe durch den relativ regelmäßigen Konsum von Spezi bzw. Cola ausgelöst werden? Weshalb? Welche Ursachen können für die Symptomatik noch verantwortlich sein?

Antwort: Ein solcher Fall ist mir bisher nicht untergekommen. Denkbar wäre theoretisch, dass das Candesartan über eine Veränderung des Natrium-Haushaltes (Elektrolytverschiebung) ein verändertes Anspruchsverhalten der Muskelzelle nach sich zieht. Das Gleiche gilt für die hohe Aufnahmemenge von Cola. Dabei kann es zu Elektrolytverschiebungen durch das darin enthaltene Aspartam kommen. Ich würde tatsächlich empfehlen, hier hochdosiert über mindestens vier Wochen mit einem retardierten Magnesiumpräparat zu arbeiten, um zu sehen, ob die Symptome in den Griff zu kriegen sind. Eine normale Blutanalyse wird uns beim Magnesium nicht weiterhelfen, ggf. müsste man einen 24-h-Urin heranziehen bzw. ein Speziallabor mit der intrazellulären Messung des Magnesiums beauftragen.



Autor:

Prof. Dr. med. Oliver Tobolski

Facharzt für Chirurgie/Sportmedizin/Chirotherapie
Sporthomedic (Sportorthopädische Praxisklinik Köln)
50968 Köln

Erschienen in: Der Allgemeinarzt, 2017; 39 (12) Seite 57