Bereits eine Cochrane-Analyse aus dem Jahr 2012 hatte Cranberry-Kapseln und ihrem Inhaltstoff Proanthocyanidin jeglichen Nutzen zur Vorbeugung von Harnwegsinfekten abgesprochen.

Eine jetzt veröffentlichte randomisierte kontrollierte Studie bestätigt dieses Ergebnis: Bei Pflegeheimbewohnerinnen, die Cranberry-Kapseln schluckten, war ebenso häufig eine Bakteriurie plus Pyurie nachzuweisen wie in einer Vergleichsgruppe mit Plazebokapseln. Studienteilnehmerinnen waren 185 Frauen im mittleren Alter von 86 Jahren, die noch in der Lage waren, Mittelstrahlurin abzugeben. Bei fast jeder Dritten konnten schon bei Studienbeginn in Urinproben mehr als 105 koloniebildende Einheiten pro Milliliter von ein oder zwei Spezies sowie Leukozyten nachgewiesen werden. 92 Frauen erhielten zweimal täglich eine Kapsel mit zusammen 72 mg Proanthocyanidin, was etwa 600 ml Cranberrysaft entspricht, die anderen 93 bekamen Plazebokapseln. Über ein Jahr hinweg wurde alle zwei Monate eine Urinprobe genommen: Eine Bakteriurie in Kombination mit einer Pyurie wurde in der Cranberrygruppe bei 29,1 % und in der Plazebogruppe bei 29,0 % festgestellt. Auch symptomatische Harnwegsinfekte traten in der Verumgruppe nicht signifikant seltener auf (10 vs. 12). Entgegen dem postulierten Wirkmechanismus der Cranberry-Kapseln hatte sich der Anteil von E.-coli-Isolaten in den Urinproben der Verumgruppe über die Zeit nicht vermindert.


Quelle:
Juthani-Metha M et al. (2016) JAMA. DOI: 10.1001/jama.2016.16141