Mehr als 10 Jahre nach ihrer Aufnahme in das SGB V haben Medizinische Versorgungszentren (MVZ) sich als fester Bestandteil im Versorgungssystem etabliert. Für immer mehr Ärzte, insbesondere für Hausärzte, werden MVZ zu einer Alternative zur eigenen Niederlassung in einer Praxis, wie aktuelle Zahlen der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) zeigen.

Ende 2015 lag die Zahl der MVZ in Deutschland bei 2.156. Das waren 83 mehr als im Jahr davor. Der seit 2004 zu beobachtende Trend hin zu MVZ scheint also anzudauern, wenn auch langsamer als zu Beginn der MVZ-Gründungen. Ausschlaggebend für die Gründer eines MVZ sind laut einer Umfrage vor allem eine bessere Perspektive für die Zukunft, die Möglichkeit der Anstellung von Ärzten sowie die Nutzung von Synergieeffekten. Eine Rolle spielen aber auch die erhoffte Entlastung von Verwaltungsaufgaben, ein verringertes Investitionsrisiko sowie der Wunsch nach flexibleren Arbeitszeiten.

Weniger Vertragsärzte, mehr Angestellte

Die aktuellen Zahlen zeigen, dass MVZ überwiegend mit "angestellten Ärzten" oder aber mit "Vertragsärzten und angestellten Ärzten" arbeiten. MVZ-Gründer entschieden sich deutlich seltener als früher dafür, ihr MVZ ausschließlich mit Vertragsärzten zu betreiben. Mit Stand 31. Dezember 2015 waren in den MVZ 14.317 Ärzte tätig, davon 91 % als Angestellte und 9 % als Vertragsärzte. Insbesondere MVZ, die in Trägerschaft eines Krankenhauses stehen, setzen nahezu komplett auf angestellte Ärzte.

Insgesamt ist also jeder 11. Arzt in Deutschland in einem MVZ tätig. Im Durchschnitt zählte ein MVZ 6,6 Ärzte. Zu den Fachärzten, die am häufigsten in einem MVZ vertreten sind, zählen Hausärzte, fachärztliche Internisten und Chirurgen. Für junge Hausärzte scheint die Anstellung in einem MVZ zunächst eine risikoärmere Alternative zur Gründung oder Übernahme einer eigenen Praxis zu sein.

MVZ wollen mehr kooperieren

Der überwiegende Teil der MVZ-Träger sind Vertragsärzte (40 %) und Krankenhäuser (40 %). MVZ gründen sich sowohl in städtischen als auch ländlichen Gebieten. Allerdings lässt sich die Mehrzahl der MVZ in Kernstädten und Ober- und Mittelzentren nieder. In absoluten Zahlen betrachtet gibt es die meisten MVZ in Bayern, Niedersachsen und Baden-Württemberg.

Im Vergleich zu früheren Analysen zeigt sich, dass MVZ inzwischen häufiger auch mit zahlreichen ärztlichen und nicht-ärztlichen Gesundheitsberufen zusammenarbeiten, vor allem gibt es mehr Kooperationen mit anderen niedergelassenen Ärzten und Pflegeheimen.

Ein Großteil der MVZ gibt an, einen medizinischen Schwerpunkt zu besitzen. Dies trifft jedoch seltener auf MVZ zu, die in eher ländlich geprägten Regionen liegen. Denn dort konzentrieren sich die MVZ stärker auf eine wohnortnahe allgemeine, also weniger spezialisierte Versorgung.

Können Hausarzt-MVZ die Versorgung sichern?

Der aktuelle Survey lässt aber erkennen, dass auch die MVZ auf dem platten Land zunehmend mit dem Problem des Ärztemangels zu kämpfen haben und deshalb möglicherweise nicht den relevanten Versorgungsbeitrag leisten können, den sich die Politik ursprünglich einmal erhofft hatte. Durch die seit diesem Jahr mögliche Zulassung von fachgruppengleichen MVZ erwartet man allerdings, dass bald schon mehr neue MVZ insbesondere von Hausärzten (Hausarzt-MVZ) entstehen werden, die dann ihren Beitrag zur Sicherstellung der Grundversorgung leisten könnten.



Autor:
Dr. Ingolf Dürr

Erschienen in: Der Allgemeinarzt, 2016; 38 (20) Seite 28-30