Frage: Meine Frage bezieht sich auf Patienten mit hyperreagiblem Bronchialsystem bzw. leichtem Asthma bronchiale. Sollte man bei Husten im Rahmen eines viralen Infektes die Dosis des inhalativen Steroids erhöhen bzw. bei Patienten ohne inhalatives Steroid ein solches neu ansetzen?

Antwort:

Das hyperreagible Bronchialsystem (HB) ist beim Asthma Folge der Entzündung und seine Intensität ein indirektes Maß für die Stärke der Entzündung. Etwas untypisch ist es bei der reinen COPD, bei der man es bei einem Teil der Patienten finden kann. Dagegen besteht immer ein HB bei einem Mischbild aus Asthma und COPD (ACOS = Asthma Overlapping System).

Husten beim Asthmatiker

Erhält der Patient bereits ein inhalatives Glukokortikoid (ICS), liegt ja bereits die Diagnose eines Asthmas vor. In diesem Fall ist der Hustenreiz der entscheidende Hinweis auf eine Intensivierung des Entzündungsprozesses mit Intensivierung der Hyperreagibilität, eine drohende Dekompensation bis zum Asthmaanfall und eine aktuell unzureichende antiinflammatorische Therapie.

Merke: Bei Asthmatikern ist der Hustenreiz oft der einzige Hinweis für einen drohenden Asthmaanfall, seltener eine aufkeimende Luftnot (vgl. Der Allgemeinarzt 3/2010).

Beim Asthmatiker ist der Hustenreiz der Schrei der Schleimhaut nach einer höheren Dosierung bzw. Eskalation der Therapie, d. h. Dosissteigerung des ICS oder ICS plus LABA bei bisheriger Monotherapie.

Ich habe meinen Asthmatikern oft empfohlen, bei Auftreten eines Infektes umgehend eine Verdoppelung der Dosis des ICS vorzunehmen und so einer Schädigung der Schleimhaut eventuell wirksam vorzubeugen und den Verlauf des Infektes positiv zu beeinflussen.

Husten beim Nicht-Asthmatiker

Ganz anders verhält es sich, wenn ein Patient ohne chronische Atemwegserkrankung einen anhaltenden Hustenreiz entwickelt.

Der Husten als Hinweis auf ein hyperreagibles Bronchialsystem (HB) ohne chronische Atemwegserkrankung spielt in der hausärztlichen Praxis sicher eine größere Rolle als vermutet.

Leider viel zu oft wird der anhaltende Hustenreiz als Hinweis auf die fehlende Ausheilung eines bakteriellen Infektes angesehen und dann mit einem zweiten oder sogar dritten Antibiotikum behandelt.

Immer wieder tritt das HB im Verlauf oder nach einem – fast immer viralen – Infekt auf. Diese Patienten haben ein erhöhtes Risiko für die Entwicklung eines zukünftigen Asthmas. Klinisch führt das HB in diesem Fall zu einem unspezifischen Hustenreiz, der wie beim Asthma nach Inhalation unspezifischer Gerüche und/oder körperlicher Belastung auftritt. Der häufig auftretende spontane nächtliche Hustenreiz in den frühen Morgenstunden bestätigt die Nähe zum Asthma.

Der vorausgegangene Virusinfekt und der anhaltende Hustenreiz spontan oder besonders eben auf Einatmen unspezifischer Reizstoffe oder bei/nach körperlicher Belastung sind ausreichende Gründe, einen Therapieversuch zu starten. Die Diagnose kann weiter gefestigt werden mit einer Lungenfunktionsuntersuchung inklusive Bronchospasmolysetest.

Lungenfunktion

Der Patient muss gegen Ende der Exspiration husten, was zu einer sägezahnartigen Veränderung am Ende der Exspirationskurve führt; diese Veränderung bleibt dank der stabilisierenden Wirkung des Bronchospasmolytikums in der zweiten forcierten Exspiration aus (Abb. 1).

Eine leichte Besserung des FEV1 in der zweiten Exspirationskurve selbst bei normaler Lungenfunktion kann zudem als Hinweis auf ein HB dienen. Beeindruckt sind die meisten Patienten, wenn man bei der anschließenden Besprechung feststellt: "Am Ende der ersten Ausatmung mussten Sie sicher husten, oder? Der Husten war dann vermutlich bei der zweiten Untersuchung weg!

Auf die Frage nach subjektiver Änderung können viele Patienten auch feststellen, dass sie sich in der Lunge "befreiter" fühlen, leichter atmen können, ein vorher gespürtes leichtes Engegefühl verschwunden ist.

  • Das HB kann die normalen Tagesschwankungen bei der Peak-Flow-Messung leicht intensivieren. Die Inhalation eines Bronchodilatators kann zu leichter Besserung der Werte und Linderung des Hustenreizes führen.
  • Korrekt wird das HB mit einer bronchialen Provokation mit Metacholin oder Histamin diagnostiziert. Diese Untersuchung ist dem Pneumologen vorbehalten.

Die zwei zuletzt erwähnten Untersuchungsmethoden können in der Regel unterbleiben. Selbst die Lungenfunktion ist bei den typischen Hinweisen eigentlich überflüssig, trotzdem aber eine schöne Bestätigungsmöglichkeit und zur Festigung der Arzt-Patienten-Beziehung (s. o.) von durchaus positiver Bedeutung.

Therapie

  • Spontan, d. h. ohne Therapie kann der Husten beim HB bis zu sechs Monate andauern.
  • Eine schnelle Wirkung und zudem eine Bestätigung der Verdachtsdiagnose bringt die Gabe von 20 – 0 – 10 mg Prednisolonäquivalent für die Dauer von sieben bis zehn Tagen. Ist es ein HB, verschwindet der Husten meist nach zwei bis vier Tagen. Ein Ausschleichen der Steroide ist bei der kurzen Behandlungsdauer nicht erforderlich.
  • Die Therapie der Wahl ist vor allem bei Patienten mit Angst vor dem oralen Kortison die Inhalation eines ICS für circa sechs bis acht Wochen.


Quelle:
T. Hausen: Asthma und COPD in der Hausarztpraxis, 2. Aufl., Thieme Verlag, Preis: 5 Euro



Autor:

© copyright
Dr. med. Thomas Hausen

Facharzt für Allgemeinmedizin
45239 Essen

Interessenkonflikte: Der Autor hat Honorar für Beratung und Vorträge von Aerocrine, Bayer, Berlin-Chemie und Novartis erhaltent


Erschienen in: Der Allgemeinarzt, 2016; 38 (16) Seite 64-66