So gut wie Anfang 2017 standen die Ärzte schon lange nicht mehr da. Das glaubt zumindest die KBV, die nun zum dritten Mal nach 2012 und 2014 rund 11.000 Niedergelassene und Psychotherapeuten nach deren Wohlergehen befragt hat. Fazit: Die meisten Ärzte haben Freude an ihrem Beruf, wobei die Zufriedenheitsquote sogar bei über 90 % liegt. Das liegt sicher auch an der wirtschaftlichen Bilanz. Waren 2012 erst 57 % der Niedergelassenen mit ihrem Einkommen zufrieden, so sind es 2016 bereits 67 %. Und 68 % sehen weiterhin eine positive wirtschaftliche Entwicklung für ihre Praxis, 4 Jahre zuvor blickten lediglich 60% optimistisch in die Zukunft.

Hausärzte sind mit Einkommen zufrieden …

Besonders gut scheinen nach den Ergebnissen des Instituts für angewandte Sozialwissenschaften (Infas) die Hausärzte abzuschneiden. 70 % sind mit ihrem Einkommen sehr zufrieden oder zufrieden. Die deutliche Steigerung ist auf die erheblichen Verbesserungen in den letzten Jahren zurückzuführen", liefert Menno Schmid, Geschäftsführer des Infas-Instituts, die Erklärung ganz im Sinne der KBV gleich mit. Dass die KBV hier die Lorbeeren für sich einzustreichen versucht, ist zwar verständlich, aber falsch. Woher kommen die Verbesserungen für die Hausärzte? Zunächst einmal daher, dass sie 2012 noch auf einem unterdurchschnittlichen Einkommensniveau lagen. Vor allem sind die Einkommensverbesserungen aber darauf zurückzuführen, dass die weit über dem üblichen KV-Niveau dotierten Hausarztverträge die finanzielle Bilanz von HzV-Ärzten deutlich aufpoliert haben. Im Sog dieser Verträge mussten die KVen in den vergangenen Jahren auch ihrerseits ihre Honorare nach oben anpassen, sodass davon alle Hausärzte profitieren konnten. Freiwillig und von sich aus hätte die KBV diese Entwicklung aber niemals angestoßen. Die KBV schafft es ja noch nicht einmal, eine oder einen Hausarztvertreter/in dauerhaft mit in der Vorstandsspitze zu verankern, nachdem nun auch Regina Feldmann frustriert das Handtuch geworfen hat.

… aber es fehlt an Zeit

Blickt man über das Honorar hinaus, scheinen aber viele Ärzte auch frustriert zu sein. Die Wochenarbeitszeit (52,5 Stunden) ist zwar etwas niedriger als 2012 (54,7 Stunden), aber immer noch viel zu hoch. Und dennoch meint jeder 6. niedergelassene Arzt, unter extremem Zeitdruck zu leiden. Und weitere 41 % sind überzeugt davon, dass ihr Zeitkontingent nicht ausreicht. Erschüttern muss aber dieses Ergebnis: 46 % der Niedergelassenen sehen es als sehr schwierig und 25 % als schwierig an, einen Praxisnachfolger zu finden. Besonders brisant wird dieser Befund dadurch, dass fast jeder 4. Niedergelassene in den nächsten 5 Jahren seine Praxis abgeben möchte. Und welche Schlussfolgerung zieht KBV-Chef Dr. Andreas Gassen daraus? Er fordert dort "ein angemessenes Einkommen, wenig Bürokratie und die garantierte Therapiefreiheit" ein. Alles wichtige Themen, doch was nutzt das alles, wenn sich viel zu wenige als Allgemeinärzte niederlassen wollen, weil es an den Rahmenbedingungen (zu wenig Freizeit, zu viele Patienten, fehlende Infrastruktur auf dem Land) hapert. Offenbar steht die (Haus-)Ärzteschaft also doch nicht so gut da, wie uns die KBV vorzugaukeln versucht, meint

Ihr

Raimund Schmid



Autor:

Raimund Schmid


Erschienen in: Der Allgemeinarzt, 2017; 39 (2) Seite 41