Eine erfolgreiche Behandlung des Diabetes mellitus setzt die aktive Mitarbeit des Patienten voraus. Die strukturierte Patientenschulung hat daher mittlerweile einen festen Platz und wird in allen Leitlinien als eine bedeutsame und unverzichtbare Therapiemaßnahme bei Menschen mit Diabetes angesehen.

Nationale Versorgungsleitlinie

In Deutschland gibt es seit zwei Jahren eine "Nationale Versorgungsleitlinie: Strukturierte Schulung bei Diabetes". Das Wichtigste dieser Leitlinie in Kürze:

  • Jedem Menschen mit Diabetes sowie ggf. wichtigen Bezugspersonen sollte unmittelbar nach Diagnosestellung des Diabetes und regelmäßig im Verlauf der Erkrankung eine Schulung als unverzichtbarer Bestandteil der Diabetesbehandlung angeboten werden.
  • Mit "Strukturierten Schulungs- und Behandlungsprogrammen" soll ausgedrückt werden, dass eine Schulung immer in einer ärztlich geleiteten Einrichtung oder in enger Kooperation mit einer ärztlichen Einrichtung angeboten werden soll, in der auch die ärztliche Betreuung erfolgt.
  • Mit einer einzigen Schulung kann kaum eine lebenslange Wirkung in Bezug auf das Diabetesselbstmanagement erreicht werden. Daher haben sogenannte Wiederholungs-, Refresher- bzw. Ergänzungsschulungsmaßnahmen das vorrangige Ziel, Menschen mit Diabetes bei Schwierigkeiten mit der Therapieumsetzung im Alltag zu unterstützen. In der Leitlinie werden die Indikationen für solche Schulungsmaßnahmen beschrieben.
  • Moderne Schulungsprogramme sind effektiver als die älteren Schulungskonzepte, die in einer sehr begrenzten Zeit versuchen, dem Patienten Wissen und Fertigkeiten im Umgang mit dem Diabetes zu vermitteln (Compliance-Ansatz).
  • In einer modernen Schulung sollten auch Themen wie "Lebensqualität", "Motivation", "Einstellungen zum Diabetes", "Umgang mit Problemen", "Unterstützung Angehöriger" und "Alltagssituationen" behandelt werden.
  • Zeitlich längere Schulungsprogramme sind effektiver als kurze Schulungsmaßnahmen, insbesondere bei Patienten mit nicht-insulinpflichtigem Typ-2-Diabetes.

DMP Diabetes

Mit mehr als 4 Millionen Menschen mit Diabetes sind bundesweit mittlerweile ca. 60 % aller Menschen mit Diabetes in den beiden DMP Diabetes eingeschrieben. In den DMP-Vereinbarungen ist festgehalten, dass teilnehmende Versicherte mit Diabetes Zugang zu einem strukturierten Schulungs- und Behandlungsprogramm haben "sollten" (Typ-2-Diabetes) bzw. "müssen" (Typ-1-Diabetes). Da zwischen dem DMP-Arzt und dem Versicherten eine schriftliche Vereinbarung bezüglich der DMP-Programme getroffen wird, besteht somit für Patienten, die in ein DMP Diabetes eingeschrieben sind, ein einklagbarer Rechtsanspruch auf eine Diabetesschulung und für den Arzt, der am DMP teilnimmt, die Verpflichtung, eine angemessene Schulung anzubieten. Aber auch der Patient verpflichtet sich in dem DMP-Vertrag, sich aktiv an der Behandlung seiner Erkrankung zu beteiligen, wozu auch der Besuch einer Schulung zählt. Für die Diabetesschulung gibt es aktuell für den Diabetes 17 strukturierte Schulungs- und Behandlungsprogramme, die vom Bundesversicherungsamt für die DMPs Diabetes zugelassen sind.

15 Diabetes-Schulungsprogramme finden Sie im Online-Shop des Kirchheim-Verlags (Der Allgemeinarzt) http://www.kirchheim-shop.de .




Autor:

Prof. Dr. phil.Bernhard Kulzer

Diabetes Zentrum Bad Mergentheim, Forschungsinstitut Diabetes-Akademie Bad Mergentheim (FIDAM), 97980 Bad Mergentheim

Erschienen in: Der Allgemeinarzt, 2016; 38 (13) Seite 58