Die Patienten in Deutschland sind mit ihren Ärzten weitgehend sehr zufrieden. Das ergab eine Befragung von Versicherten durch die Forschungsgruppe Wahlen im Auftrag der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV). Insbesondere niedergelassene Ärzte genießen eine hohe Wertschätzung, sie gelten als kompetent und das Vertrauensverhältnis ist gut. Selbst bei dem heiklen Thema Wartezeiten ist das Murren nur leise. Kritik gab es dafür bei der Diskretion in der Arztpraxis.

Seit mittlerweile zehn Jahren führt die KBV repräsentative Versichertenbefragungen durch. Dieses Jahr wurden bundesweit insgesamt 6.113 zufällig ausgewählten Personen befragt. Wie in den vergangenen Jahren würden die Ergebnisse das hervorragende Vertrauensverhältnis der Patienten zu ihren niedergelassenen Ärzten bezeugen und zeigten erneut, wie zufrieden die Bürger insgesamt mit der ambulanten Versorgung sind", erklärte Dr. Andreas Gassen, Vorstandsvorsitzender der KBV. Mit einer gewissen Genugtuung erklärte er, dies widerspreche klar dem Bild, das Teile der Politik gerne zeichnen würden, wonach die ambulante Versorgung im Argen liege und alles schlecht sei.

Ärzte erklären verständlich, was sie tun

Der aktuellen Analyse zufolge haben 91 % der Befragten ein "gutes" bis "sehr gutes" Vertrauensverhältnis zu ihrem Arzt. Ebenso hoch fällt die Beurteilung der Fachkompetenz (93 %) aus. Erstmalig waren die Versicherten auch danach gefragt worden, wie freundlich die Ärzte sind und wie verständlich diese Diagnose und Therapie erklären. Im Hinblick auf die Freundlichkeit vergaben 96 % der Befragten das Urteil "gut" bis "sehr gut". Und 92 % meinten, dass sie die Erklärungen ihres Arztes gut bis sehr gut verstanden haben.

Das Warten auf einen Termin beim Arzt empfindet die Mehrheit der Patienten – wie in den Vorjahren auch – als kein großes Problem. Nur einer von zehn beurteilt die Wartezeit auf einen Termin als zu lang. 41 % hat es nicht zu lange gedauert und für 47 % stellt sich diese Frage überhaupt nicht, da sie keine Wartezeit hatten: Sie wurden entweder sofort angenommen (31 %), kamen ohne Voranmeldung (14 %) oder besuchten eine Praxis, die keine Termine vergibt (2 %). 13 % der befragten mussten sich allerdings länger als drei Wochen gedulden. Dies betraf hauptsächlich Termine bei einem Spezialisten. Auf einen Termin beim Hausarzt mussten lediglich 4 % drei Wochen oder länger warten

Hausarzt als zentraler Ansprechpartner

Ein weiteres Thema der Befragung war die Versorgungssteuerung: Mehr als die Hälfte der Befragten (54 %) fände es grundsätzlich sinnvoll, vor dem Spezialisten immer erst einen Hausarzt anzusteuern. Wenn dies spürbar den Beitrag zur Krankenversicherung senken würde, wären dazu 65 % der gesetzlich versicherten Befragten bereit. Diese Zahlen bestätigten eindeutig, dass die Patienten sich einen zentralen, wohnortnahen Ansprechpartner wünschen, und sie untermauerten die im KBV-Programm 2020 vorgeschlagene Lotsenfunktion eines niedergelassenen Arztes, der in den meisten Fällen der Hausarzt sein wird, erklärte Dipl.-Med. Regina Feldmann, stellvertretende KBV-Vorstandsvorsitzende.

In einer zweiten Studie ging die KBV in qualitativen Fokusgruppen durch das Beratungsunternehmen "Patientenprojekte" noch weiter in die Tiefe. Hier zeigte sich, dass viele der Teilnehmenden ohnehin ihren Hausarzt als erste Anlaufstation aufsuchen. Chronisch Kranke würden sich allerdings einen direkten Zugang zu Spezialisten wünschen. Damit verbunden war meist die Hoffnung, sich einen zeitlichen Aufwand zu ersparen. Eine der Befragten äußerten die Befürchtung, dass sie in einem "hausarztzentrierten" Steuerungsmodell womöglich nur noch zu ganz bestimmten Spezialisten überwiesen würden. Die frei Arztwahl stehe also weiterhin hoch im Kurs und werde daher auch im Konzept KBV 20120 nicht angetastet, so Feldmann.

Bei der Diskretion am Praxisempfang hapert es

So weit so gut. Doch es gibt auch noch einige Punkte, die sich offenbar verbessern ließen. So zeigten sich zwar 79 % der Versicherten mit ihrer Einbindung in die therapeutische Entscheidungsfindung recht zufrieden, dich fällt dieser Wert im Vergleich zu den äußerst positiven anderen Zahlen doch schon deutlich schlechter aus. Hier gibt es also wohl durch aus noch Luft nach oben.

Verbesserungspotenzial gibt es aus Sicht der Versicherten wohl auch noch bei der Frage nach der Diskretion am Praxisempfang. Lediglich 32 % halten dein Situation am Empfang für "gut" und nur 15 % für "sehr gut". 45 % hingegen bewerten die Diskretion mit "weniger gut" oder sogar "überhaupt nicht gut". Diese Zahlen müssten hinsichtlich der Praxisorganisation zu denken geben, kommentierte Regina Feldmann und empfahl den Ärzten, sich stärker bewusst zu machen, dass Sensibilität im Umgang mit den Daten der Patienten eine wichtige Größe sei, auf die man besonders achten müsse.

Immer zuerst zum Hausarzt
Der Deutsche Hausärzteverband (DHÄV) sieht sich durch die Ergebnisse der KBV-Versichertenbefragung bestätigt, dass ein großer Teil der Patienten es für sinnvoll erachtet, bei allen gesundheitlichen Beschwerden immer zunächst einen Hausarzt aufzusuchen. Wer eine vernünftige Koordination der Versorgung der Patienten möchte, müsse daher die Hausarztzentrierte Versorgung (HzV) stärken und ausbauen. Die Vorschläge der KBV, dass im Zweifel auch andere niedergelassene Fachärzte die Koordination übernehmen können, seien eine Gefahr für die Qualität der Versorgung. Gerade Chroniker litten häufig nicht nur an einer einzelnen Erkrankung, sondern an mehreren gleichzeitig. Nur die Hausärzte seien qualifiziert, mehrere Beschwerden aus unterschiedlichen medizinischen Fachgebieten in Bezug zueinander zu setzen, zu behandeln und bei Bedarf die Koordination der Versorgung mit Spezialisten und Krankenhäusern zu übernehmen. Spezialisten, die in ihren jeweiligen Fachgebieten über unverzichtbare Kompetenzen verfügen, seien hierfür schlichtweg nicht ausgebildet, so der DHÄV.



Dr. Ingolf Dürr

Erschienen in: Der Allgemeinarzt, 2016; 38 (19) Seite 34-37