Eine intensive Schulung ist für Menschen mit Typ-2-Diabetes und einer intensivierten Insulintherapie unumgänglich.

Nach durchschnittlich acht Jahren Diabetesdauer erhalten Typ-2-Diabetiker in Deutschland zur Behandlung ihres Diabetes Insulin. Für jüngere Patienten, die flexibel leben möchten, bietet sich die intensivierte Insulintherapie (ICT) an, bei der das Insulin regelmäßig eigenständig entsprechend dem gemessenen Glukosewert und den Mahlzeiten angepasst wird. Diese Therapieform erlaubt ein höheres Maß an Flexibilität im Leben, allerdings ist der Aufwand für die Therapie auch höher als bei der nicht-intensivierten Insulintherapie. Am Beispiel von MEDIAS 2 ICT soll hier auf die Besonderheiten der intensivierten Insulintherapie bei Typ-2-Diabetes und deren Berücksichtigung in der Schulung eingegangen werden.

Schulungsthemen bei intensivierter Insulintherapie
  • Warum Insulin? – Einstellung zur Insulintherapie
  • Leben mit insulinpflichtigem Diabetes, Lebensqualität, Motivation
  • Insulintherapie, Insulinspritzen, Blutzucker- bzw. Glukoseselbstkontrolle
  • Möglichkeiten der Therapieanpassung
  • Essen und Trinken bei Insulintherapie, körperliche Bewegung
  • Unter- und Überzuckerungen vermeiden, richtig behandeln
  • Folgeerkrankungen, Routineuntersuchungen, Gesundheits-Pass Diabetes
  • Verhalten bei Krankheit, Krankenhausaufenthalt, Reisen
  • Soziale Themen (Führerschein, Beruf, Schwerbehinderung)
  • Probleme im Zusammenhang mit dem Diabetes und der Therapie
  • Austausch mit anderen Betroffenen, Selbsthilfe

Hilfe zur Selbsthilfe

Die Schulung in MEDIAS 2 ICT besteht aus 12 Kurseinheiten à 90 Minuten. In diesen bekommen die Teilnehmer das notwendige Rüstzeug, um die Therapie selbstständig im Alltag umzusetzen und die entsprechende Menge an Insulin selbst zu berechnen, die gespritzt werden muss. In dem Programm werden nicht nur Kenntnisse zur Insulintherapie vermittelt, sondern auch konkrete Hilfestellung für alltägliche Schwierigkeiten im Zusammenhang mit dem Diabetes gegeben. Daher wird in der Schulung auch der Austausch der Teilnehmer über ihre Erkrankung und die Behandlung unter Alltagsbedingungen gefördert und darüber gesprochen, wie die Motivation zur täglichen Behandlung aufrechterhalten werden kann.

Viel Raum für den Austausch

Auch eine Angehörigenstunde, bei der das Thema "Unterzuckerungen" im Mittelpunkt steht, ist Inhalt des Programms. In jeder Kurseinheit findet eine praktische Übung statt mit genügend Zeit für die ausführliche Diskussion mit den Kursteilnehmern.

Für die Schulenden gibt es einen Schulungskoffer mit den kompletten Schulungsunterlagen (2 Folienordner mit ca. 280 Folien/USB-Stick, Tabletversion, Trainermanual, Patientenbuch mit Arbeitsblättern, Ernährungsspiel, Insulinschablonen), die Patienten erhalten ein umfangreiches Patientenbuch mit zusätzlichen Materialien wie z. B. Selbstkontrollheft, KE/BE-Tabelle, Arbeitsblätter. MEDIAS 2 ICT ist in den meisten KV-Regionen im Rahmen des DMP Typ 2 abrechenbar.

Nähere Informationen zu Trainingsseminaren für die Schulenden sind unter http://www.diabetes-schulungsprogramme.de , die Materialien beim Kirchheim-Verlag Mainz ( http://www.kirchheim-verlag.de ) erhältlich.



Autor:

Prof. Dr. phil. Bernhard Kulzer

Diabetes Zentrum Bad Mergentheim, Forschungsinstitut Diabetes-Akademie Bad Mergentheim (FIDAM), 97980 Bad Mergentheim




Erschienen in: Der Allgemeinarzt, 2016; 38 (18) Seite 40