Der Trend zu Teilzeittätigkeit bei niedergelassenen Ärzten und Psychotherapeuten hält an. Auch arbeiten immer mehr Mediziner in einem Anstellungsverhältnis. Das geht aus der aktuellen Ärztestatistik der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) für das Jahr 2014 hervor.

Insgesamt 164.947 Ärzte und Psychotherapeuten nahmen demnach Ende 2014 an der vertragsärztlichen Versorgung teil. Dies waren 2.296 mehr als im Jahr zuvor (+ 1,4 %). Angesichts des zunehmenden Trends zur Teilzeittätigkeit liegt das tatsächliche Plus nur bei 0,4 %. Die Anzahl der in Teilzeit tätigen Ärzte und Psychotherapeuten stieg im Vergleich zum Vorjahr um 3.774 auf 22.336 (13,5 %).

Junge Ärzte scheuen wirtschaftliches Risiko

Zugenommen hat der Statistik zufolge die Anzahl der angestellten Ärzte und Psychotherapeuten in Praxen und Einrichtungen. Sie stieg im vergangenen Jahr von 22.494 auf 24.560 (+ 9,2 %). Damit arbeiten etwa 15 % der Ärzte und Psychotherapeuten im ambulanten Bereich als Angestellte. Die große Mehrheit ist nach wie vor selbstständig in eigener Praxis tätig.

Angesichts dieser Entwicklung appellierte KBV-Chef Dr. Andreas Gassen an die Politik, für bessere Rahmenbedingungen im ambulanten Bereich zu sorgen. Die inhabergeführten Praxen stellten das Rückgrat der ambulanten Versorgung dar. Dass sich immer mehr junge Mediziner dagegen entschieden, hänge viel mit der wirtschaftlichen Unsicherheit und den Einschränkungen als Freiberufler zusammen.

Rückgang bei Hausärzten und einigen Facharztgruppen

Weiter gesunken ist die Zahl der Hausärzte (- 0,5 %). Für die Kinder- und Jugendärzte weist die Statistik ein Minus von 0,3 % aus. Auch einige fachärztliche Fächer wie Chirurgie (- 1,1 %) und Nervenheilkunde (- 0,2 %) verzeichnen einen Rückgang.

KBV-Vorstand Dipl.-Med. Regina Feldmann forderte in dem Zusammenhang erneut, ambulante Versorgungsanteile in der Aus- und Weiterbildung deutlich zu erhöhen. Zudem gelte es, die Rahmenbedingungen für Hausärzte weiter zu verbessern. Ansonsten würde für Nachwuchsmediziner der Anreiz fehlen, sich niederzulassen.

Über 1.300 Psychotherapeuten mehr

Erhöht hat sich im Berichtsjahr die Zahl der Psychotherapeuten. Sie stieg infolge der Bedarfsplanungsreform bis Ende 2014 um 756 auf 22.957. Der bundesweite Anstieg von 3,4 % ist dabei vor allem auf einen Zuwachs in den neuen Bundesländern zurückzuführen – so in Mecklenburg-Vorpommern mit 32,1 %, Sachsen-Anhalt mit 18,7 % oder Brandenburg mit 11,8 %.

Durchschnittsalter der Ärzte steigt

Die Statistik zeigt ferner, dass das Durchschnittsalter der Ärzte und Psychotherapeuten weiter steigt. Lag es im Jahr 2009 noch bei 51,9 Jahren, betrug es Ende vorigen Jahres 53,9 Jahre. Über dem Altersdurchschnitt liegen die Allgemeinärzte, Praktischen Ärzte, Chirurgen und Psychotherapeuten.

Höherer Frauenanteil und mehr Kooperation

Weitere Trends: Der Frauenanteil unter den Ärzten und Psychotherapeuten nimmt kontinuierlich zu. Er lag Ende 2014 bei 43,2 %. In jüngeren Altersgruppen sind bereits bis zu zwei Drittel weiblich.

Besonders hoch ist der Anteil der Frauen unter den Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapeuten (77,6 %) und Psychologischen Psychotherapeuten (70,4 %). Außerdem entscheiden sich immer mehr Ärzte für eine Zusammenarbeit mit Kollegen in einer Berufsausübungsgemeinschaft oder einem Medizinischen Versorgungszentrum. Die häufigste Praxisform bleibt dennoch die Einzelpraxis.

Dr. Ingolf Dürr


Erschienen in: Der Allgemeinarzt, 2016; 38 (16) Seite 28-29