Wie kann man einen Nicht-Parkinson-Tremor behandeln? Gibt es Alternativen zu Betablockern? Kann man Naturmittel einsetzen?

Antwort: Die therapeutischen Möglichkeiten bei Tremor hängen von der Art des Tremors ab. Bei einem Nicht-Parkinson-Tremor handelt es sich am häufigsten um einen Haltetremor. Dieser kommt u. a.als essenzieller Tremor oder als gesteigerter physiologischer Tremor vor.

Man sollte stets versuchen, den Tremor begünstigende Faktoren zu finden, da sich hier Beeinflussungsmöglichkeiten außerhalb einer Pharmakotherapie ergeben können. Wichtig ist eine Überprüfung der sonstigen Medikation hinsichtlich Tremor als möglicher Nebenwirkung: Hier ist z. B. an Sympathomimetika, Steroide und viele psychiatrische Medikamente zu denken. Eine Hyperthyreose sollte ausgeschlossen werden. Manchmal wirkt eine Reduktion des Konsums von Kaffee oder Tee positiv. Alkohol in geringen Mengen hingegen hat bei essenziellem Tremor eher einen günstigen Effekt. Die meisten Tremorarten werden zudem durch psychische Anspannung verstärkt. Ergeben sich im Gespräch Hinweise auf Stresssituationen, so ist Entspannungstraining sinnvoll, aber auch ein Versuch mit Naturmitteln, die entspannungsfördernd wirken, kann unternommen werden.

Wenn der Patient durch den Tremor deutlich beeinträchtigt ist und die empfohlenen Maßnahmen keinen Erfolg erbringen, wird man jedoch einen medikamentösen Behandlungsversuch anbieten müssen. Hier erleichtert eine korrekte differenzialdiagnostische Einordnung der Tremorart die Wahl des geeigneten Medikaments. Als Alternative zu Betablockern kommt bei essenziellem Tremor Primidon in Betracht. Der Einsatz wird durch die sedierende Wirkung oft begrenzt. Es empfiehlt sich eine einschleichende Dosierung beginnend mit 25 mg zur Nacht und langsame Dosiserhöhung um 25 mg etwa alle 3 – 4 Tage. Wenn bei Erreichen von 250 mg/d keine Wirkung auf den Tremor beobachtet wird, sollte das Präparat abgesetzt werden. Als weitere Alternativen haben sich in Studien Topiramat und Gabapentin als wirksam gezeigt, diese sind aber "off-label". Fokale Tremorformen können manchmal mit Botulinumtoxin behandelt werden. Bei sehr beeinträchtigendem essenziellem Tremor, der unzureichend auf medikamentöse Therapie anspricht, kann man auch eine tiefe Hirnstimulation in Erwägung ziehen. Hierfür sollte der Patient einem entsprechenden Zentrum vorgestellt werden.



Dr. med. Carsten Isenberg

Leitender Arzt
Sektion Neurologie
Klinikum St. Elisabeth Straubing
94315 Straubing

Erschienen in: Der Allgemeinarzt, 2016; 38 (14) Seite 56