Für Hausärzte-Chef Ulrich Weigeldt ist klar, wer derzeit bei der Arzneiversorgung Chef im Ring ist und bleiben muss. Natürlich der Hausarzt, weil nur er einen seriösen Überblick über sämtliche Arzneimittelverschreibungen haben kann. Einen solch breiten Überblick über sämtliche Diagnosen, Behandlungsoptionen und Laborwerte hat der Apotheker nicht. Daraus ergibt sich für Weigeldt nur eine logische Schlussfolgerung: Das Medikationsmanagement darf der Hausarzt nicht aus der Hand geben – natürlich zum Nutzen und Schutz der Patienten.

Hausärzte vs. Apotheker

Dass diese Argumente nur schwer zu widerlegen sind, wissen auch die Apotheker. Dennoch lassen sie sich davon nur wenig beeindrucken. Zwar sei es richtig, dass die Hausärzte von der Diagnose her denken und handeln, räumt Dr. Detlev Wiedemann, Vorsitzender des Hessischen Apothekerverbands, ein. Genauso richtig sei es aber, dass der Apotheker vom Medikament und Wirkstoff aus denkt und handelt. Gerade bei älteren und multimorbiden Patienten mit häufiger Polymedikation sei die Kompetenz des Apothekers unabdingbar. Beim Medikamentenmanagement seien die Apotheker einfach dichter am Patienten dran, weil sie auch die Arzneien mit bedenken könnten, die die Kunden direkt in der Apotheke kaufen und die in keiner Liste eines Arztes auftauchen. Und auch die Arzneimitteldatenbanken der Apotheker seien – allein schon wegen der zweiwöchigen Updates – besser und aktueller aufgestellt. Davon wiederum – wen wundert’s – profitiere vor allem der Patient.

Die Krux daran ist, dass beide Kontrahenten Recht haben. Beide Seiten schieben den Patienten vor, um ihre Position zu stärken. Fest steht aber auch, dass einer der beiden Heilberufe die Arzneiversorgung von Patienten allein häufig nicht stemmen kann. Und selbst beide zusammen reichen mitunter nicht aus. Gerade bei älteren und multimorbiden Patienten, die täglich viele Arzneien schlucken müssen, sind Angehörige und Pflegekräfte genauso wichtige Akteure, damit das Medikationsmanagement stimmt.

Medikationsplan kommt

Das soll nun unter anderem auch das E-Health-Gesetz sicherstellen, das ab Herbst jedem Patienten, der regelmäßig mehr als 3 Arzneien einnimmt, einen Medikationsplan garantiert. Ob dies aber auch ein zwischen Apotheker und Arzt abgestimmtes Medikationsmanagement enthält, muss sich erst zeigen. Dass ein solches einvernehmliches und patientengerechtes Zusammenspiel möglich ist, zeigt die Arzneimittelinitiative Sachsen-Thüringen (ARMIN). Seit April 2014 wird dort im von der AOK PLUS initiierten Modellversuch gemeinsam an der Wirkstoffverordnung und am Medikationskatalog gefeilt. Im 2. Halbjahr 2016 soll nun das 3. Modul – das gemeinsame Medikationsmanagement – zum Laufen gebracht werden. Von diesen Ergebnissen wird sehr viel abhängen, ob Apotheker und Ärzte bei der Arzneiversorgung künftig enger zusammenrücken.

Fazit: Von mehr Transparenz einerseits und von einem einvernehmlichen Vorgehen mit klaren Kompetenzverteilungen andererseits würden nicht nur die Heilberufe, sondern eben gerade die Patienten profitieren. Nur darf dabei keine Seite ihr Gesicht verlieren, weil dann der Patient gleich wieder ins zweite Glied rückt, meint

Ihr

Raimund Schmid


Erschienen in: Der Allgemeinarzt, 2016; 38 (12) Seite 40