Parasiten in der Leber findet man häufiger nach Aufenthalt in tropischen Regionen. Sie gehören in die Gruppe der Trematoden, der pathogenen Protozoen, seltener auch der Nematoden. Eine gesonderte Rolle spielen die Zestoden, die die Echinokokkose der Leber verursachen, allerdings im Rahmen dieses Artikels nicht abgehandelt werden sollen.

Trematoden

Schistosomen

Aufgrund der weiten Verbreitung in den Tropen kommt den Schistosomen unter den Trematoden die größte Bedeutung zu (Abb. 1). Zu den Schistosoma species, die eine Darmbilharziose verursachen und so auch die Leber schädigen können, gehören Sch. mansoni (Afrika, Amerika), Sch. mekongi, Sch. japonicum (SO-Asien).

Die Schistosomeneier gelangen mit den menschlichen Faeces in die Gewässer. Als Zwischenwirte dienen spezifische Schnecken, aus denen die Infektionslarve (Zerkarie) schlüpft. Die Infektion erfolgt bei Kontakt mit infizierten Binnengewässern über die intakte Haut. Im Menschen entwickelt sich der adulte Egel und wandert in die Mesenterialvenen, wo er seine Eier ablegt, die dann wieder in den Darm gelangen (Abb. 2). Eine Leberschädigung wird induziert, indem die Eier aus dem Darm in das Portalsystem zurückgeschwemmt werden. Für den Parasiten ist dies eine biologische Sackgasse, im Menschen wird jedoch eine portale Fibrose verursacht.

Antikörper sind frühestens vier bis sechs Monate nach der Infektion nachweisbar. Da Nativstuhl wenig sensitiv ist, sind angereicherte Stuhluntersuchungen anzustreben.

Die Therapie besteht aus Praziquantel 40 bis 60 mg/kg, über drei Tage.

Fasciola hepatica

Der ebenfalls zu den Trematoden gehörende große Leberegel (Abb. 3) ist weltweit verbreitet. Die WHO schätzt etwa 2 Mio. Infizierte. Es treten in der Regel nur sporadische Infektionen auf, einige Andenstaaten sind hyperendemisch.

Der Entwicklungszyklus ist anfangs ähnlich wie der der Schistosomen. Eine Infektion des Menschen erfolgt oral durch kontaminierte Wasserkresse oder andere kontaminierte Pflanzen. Die unreifen Larven wandern durch die Darmschleimhaut in die freie Bauchhöhle, über die Leberkapsel und durch die Leber in die Gallengänge. Dort entwickeln sie sich innerhalb von drei bis vier Monaten zu adulten Egeln mit einer Größe von ca. 1,3 x 3 cm.

Während der Wanderung des Egels durch Darmwand und Leberkapsel in die Gallengänge (zwei bis vier Monate) treten Übelkeit, Erbrechen, abdominelle Schmerzen, intestinale Blutungen, Fieber und allergische Reaktionen auf. Auf die Entwicklung zum adulten Wurm in den Gallengängen folgen intermittierende Gallengangsobstruktion, Hepatitis bis zur Zirrhose, Cholezystitis und Pankreatitis (chronische Phase, fünf bis zehn Jahre). Stumme Verläufe sind möglich.

Laborchemisch sind erhöhte Leberwerte und Eosinophilie führend. Standard sind drei Stuhlproben im Abstand von drei Tagen und mikroskopischer Ei-Nachweis sowie die Serologie.

Triclabendazol (Fasinex®) ist Therapiestandard (WHO). In vielen Ländern ist das Präparat in der Humanmedizin nicht zugelassen und muss über eine internationale Apotheke bezogen werden. Der Benzimidazol-Anteil ist wirksam gegen immature und adulte Fasciolaparasiten. Einmaldosis: 10 mg/kg KG (in schweren Fällen doppelte Dosis in 24 Std.).

Opisthorchis viverrini/clonorchis sinensis

Die kleinen Leberegel sind in Thailand, Laos, Kambodscha, China, Vietnam, Korea endemisch, Opisthorchis felineus in Osteuropa, Asien und Russland. Zwischenwirt ist der Fisch. Die Infektion erfolgt über rohe Fischgerichte. Weltweit werden ca. 40 Mio. infizierte Menschen geschätzt (WHO). Die Symptome sind abhängig von der Menge der aufgenommenen Erreger. Bei weniger als 100 Egeln verläuft die Infektion oft asymptomatisch. Auftretende Symptome umfassen abdominelle Schmerzen und Durchfall. Hinzu können Obstipation, Fieber, Exanthem und Arthralgien kommen.

Therapie: Praziquantel dreimal 25 mg/kg bis zu drei Tage.

Protozoen

Entamoeba histolytica

Unter den Amöben führt Entamoeba histolytica (sensu stricto) zu Lebererkrankungen durch Einwandern über den Portalkreislauf in die Leber, dort entwickelt sich der Amöbenleberabszess. In Relation zur Trinkwasserhygiene besteht eine weltweite Verbreitung, häufigeres Vorkommen wurde jedoch in warmen Ländern beobachtet. Autochthone Übertragungen in Europa sind möglich.

Nach Eindringen des Parasiten in die Leber entsteht zunächst im Zentrum eines Leberläppchens eine Lyse, die zur Nekrose führt. Im Randbereich des Abszesses liegen die Trophozoiten, im Zentrum entwickelt sich eine amorphe Flüssigkeit.

Merke:
Unklare Leberwerterhöhungen, Eosinophilie und evtl. vorausgegangener Auslandsaufenthalt müssen an eine Parasitose der Leber denken lassen.

Symptome sind starke Schmerzen im rechten Oberbauch, Fieber, schweres Krankheitsgefühl und reduzierter Allgemeinzustand. In etwa 20 % der Fälle bestehen blutige Diarrhöen und Kolitis, auch zeitversetzt. Abszesse können jedoch auch ohne Darmsymptomatik auftreten. Sonografisch ist die Raumforderung zu 90 % im rechten Leberlappen zu finden, in drei Viertel der Fälle singulär.

Die Diagnose wird gestellt durch mikroskopischen Nachweis von erythrozytophagen E. histolytica, PCR, E.-histolytica-DNA im Stuhl und Amöbenantikörpern im Serum.

Die Therapie besteht aus Metronidazol 2 g/Tag, über zehn Tage, und intraluminalem Amöbizid – Paromomycin 25 mg/kg/Tag, über zehn Tage. Eine Punktion ist nur bei sehr großen (> 10 cm), oberflächennahen, rupturgefährdeten Abszessen zur Entlastung erforderlich, eine chirurgische Intervention nur bei Rupturgefahr. Die Rückbildung eines Amöbenleberabszesses kann Monate in Anspruch nehmen, sonografische Restbefunde sind Kalzifikationen.

Leishmaniosen

Leishmanien leben intrazellulär in Makrophagen. Unterschiedliche Spezies führen zu differenten Krankheitsbildern: L. donovani und L. chagasi verursachen immer eine viszerale Leishmaniose, während eine Infektion mit der im Mittelmeerraum vorhandenen L. infantum (Abb. 4) abhängig von der Immunkompetenz des Wirts kutan oder viszeral verläuft.

Entweder erfolgt an der Einstichstelle über eine zelluläre Reaktion die Zerstörung der Parasiten oder die lokal begrenzte Infektion führt zur kutanen Leishmaniose. Bei Immuninkompetenz kann der Parasit disseminieren, es resultiert die viszerale Form. Befallen werden alle Makrophagen-reichen Organe wie Milz, Leber, Lymphknoten und Knochenmark.

Nach einer Inkubationszeit von drei bis sechs Monaten (bis zu mehreren Jahren) entwickeln sich Fieber, massive Splenomegalie, mäßige Hepatomegalie sowie Panzytopenie und Lymphadenopathie. Einer Aussaat der Erreger in die Haut folgt eine dunkle Pigmentierung, daher heißt die viszerale Leishmaniose auch Kala-Azar (Hindi = schwarze Krankheit). Die Letalität liegt unbehandelt bei 90 %. Weltweit kommt es jährlich zu ca. 1 Mio. Neuerkrankungen.

Der Parasitennachweis erfolgt nach Färbung (Romanowsky, Giemsa/Leishman/Wright) aus Knochenmarkaspirat (67 % Sensitivität), Milzpunktat (97 % Sensitivität), ggf. Leber-LK-Punktat oder Kultivierung (Blutagar), IFT, ELISA, PCR.

Die Therapie besteht aus liposomalem Amphotericin B 2 – 4 mg/kg an Tag 1 – 5 und 10 i. v. (ggf. 1 – 10 und länger sowie Nachbehandlungen) oder Miltefosin oral (Kinder 2 – 11 J.: 2,5 mg/kg; 20 – 25 kg: 50 mg; > 25 kg: 2 x 50 mg/Tag für 28 Tage p.o.).

Nematoden

Unter den Fadenwürmern sind sowohl einige intestinale als auch larvale Nematoden oft eher zufällig in der Leber anzutreffen. Intestinal bewirkt der Ascaris durch Einwanderung in die Gallengänge eine Obstruktion und u. U. einen Ikterus.

Der ebenfalls in der Regel intestinale Strongyloides stercoralis (Abb. 5) verursacht bei Immunsuppression ein Hyperinfektionssyndrom. Dabei kommt es zur Aussaat der Larven in Lunge, Leber und ZNS. Unbehandelt ist dieses Krankheitsbild letal.

Larvale Nematoden sind Zoonosen, bei denen der Mensch Fehl- bzw. Zufallswirt ist. Nach Migration der Larven in die verschiedenen Gewebe entstehen selbstlimitierende Krankheitsbilder. Zufällig in der Leber anzutreffen ist Toxocara canis, die bei Infektion mit vielen Eiern abdominelle Beschwerden und eine Hepatomegalie verursacht.

Gnathostoma spinigerum, in SO-Asien über rohen Fisch übertragen, führt in der Leber zum viszeralen Larva-migrans-Syndrom mit Hepatomegalie und echoarmen Läsionen im Sonogramm.

Eine Rarität ist Capillaria hepatica. Die adulten Würmer wandern in die Leber von Nagern oder Schweinen und legen Hunderte Eier in das Leberparenchym. Die Eier werden nicht ausgeschieden. Eine Infektion des Menschen erfolgt über den Verzehr infizierter Tiere oder Kontakt mit infizierter Erde, z. B. nach Geophagie bei Kleinkindern. Die Diagnose ist nur durch Leberbiopsie möglich.

Die Therapie besteht aus Mebendazol/Albendazol/Ivermectin dem Parasiten entsprechend.

Genehmigter und bearbeiteter Nachdruck aus JATROS 9/2015



Autor:

Dr. med. Irmela Müller-Stöver

Tropenmedizinische Ambulanz
Klinik für Gastroenterologie, Hepatologie und Infektiologie
Universitätsklinikum Düsseldorf
40225 Düsseldorf

Interessenkonflikte: Die Autorin hat keine deklariert.



Erschienen in: Der Allgemeinarzt, 2016; 38 (9) Seite 50-54