Was leisten eigentlich die 27 Institute oder Abteilungen für Allgemeinmedizin für die Versorgung von Patienten? Eine ganze Menge, meint nicht nur Prof. Ferdinand Gerlach, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM). So hatten sich universitäre Einrichtungen der Allgemeinmedizin schon lange mit Themen wie Multimorbidität und Multimedikation befasst, bevor diese gesundheitspolitisch salonfähig geworden sind. Im Jahr 2011 etwa das Institut für Allgemein-, Familien- und Präventivmedizin an der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität in Salzburg, das mit dem Thema Polymedikation vorgeprescht war. Seitdem sind viele Erkenntnisse gesammelt und Medikationslisten veröffentlicht worden, die für den Hausarzt von großer Bedeutung sind.

Patientenzufriedenheit messen

Nicht minder bedeutend sind die Erkenntnisse insbesondere des Instituts für Allgemeinmedizin der Universität Heidelberg zur Hausarztzentrierten Versorgung (HzV). So konnte nachgewiesen werden, dass HzV-Versicherte besser koordiniert werden als Patienten in der Regelversorgung. Als gesichert kann mittlerweile auch gelten, dass der Grad an Patientenzufriedenheit umso mehr steigt, je stärker die Versorgungsassistentin in der Hausarztpraxis (VERAH®) integriert und qualifiziert ist. Ohne entsprechende wissenschaftliche Evaluationen wäre heute die HzV längst nicht so etabliert.

Und manche Projekte verlieren nichts an Aktualität. 2 Projekte aus dem Frankfurter Institut für Allgemeinmedizin belegen dies. Um Fehlerquellen zum Beispiel bei multimorbiden Patienten aufzuzeigen und transparent zu machen, betreiben die Frankfurter schon seit längerem das Internet-Portal www.jeder-fehler-zaehlt.de. Das Portal ist primär ein hausärztliches Fehlerberichts- und Lernsystem. In der speziellen Berichtsaktion "Aktion Schnittstelle" liegt derzeit der Fokus darauf, Ereignisse und Fehler an der Schnittstelle Arztpraxis/Krankenhaus zu eruieren.

Zukunftsfähige Gesundheitsmodelle

Die bessere Verzahnung von Schnittstellen ist auch das Motto des Projektes "Innovative Gesundheitsmodelle" (www.innovative-gesundheitsmodelle.de). Dessen Ziel war und ist es, zukunftsfähige Gesundheitsmodelle insbesondere für den ländlichen Raum in einem Onlineportal zu posten und damit auch zur Nachahmung zu ermutigen. Zum Beispiel in der Region Uecker-Randow in Mecklenburg-Vorpommern, in der ein "GeroMobil" "kostenfreie, neutrale und anonyme Beratung, Diagnostik und unterstützende Hausbesuche in 37 Ortschaften" sicherstellt. Oder die Licher Gemeindeschwestern in Hessen, die in ländlichen Gemeinden ohne Hausärzte eine Versorgung der (älteren) Bevölkerung aufrechterhalten.

Eines stimmt allerdings bedenklich: Viele dieser zum Teil sehr erfolgreichen Modelle und Forschungsergebnisse haben bislang nicht einmal ansatzweise Eingang in die Regelversorgung gefunden. Mittel hierfür wären in den vergangenen Jahren sehr wohl vorhanden gewesen. Gescheitert ist dies jedoch an der Mutlosigkeit der verantwortlichen Politiker und am Wettbewerbskampf der Krankenkassen. Da ist in der Tat eine große Chance vertan worden, fürchtet Ihr

Raimund Schmid


Erschienen in: Der Allgemeinarzt, 2016; 38 (6) Seite 29