Hautmykosen wie Fußpilz oder Pilzbefall im Gesicht sind häufig, doch nicht immer auf den ersten Blick zu erkennen. Insbesondere entzündliche Veränderungen erschweren die Diagnostik. Anhand von drei Kasuistiken sollen im Folgenden praxisrelevante diagnostische Fallstricke erörtert werden.


1. Fußpilz an den Händen

Fall 1

19-jähriger Patient:4 Wochen vor Erstvorstellung Juckreiz und Bläschenbildung zunächst am linken Fuß, 2 Wochen später auch Bläschenbildung im Bereich der Hände mit starkem Juckreiz. Bisher Anwendung eines Ciclopiroxolamin-haltigen Gels. Keine weiteren Erkrankungen bekannt. Klinisch finden sich im Bereich des linken Fußaußenrandes unscharf begrenzte Papeln, die zentral zu größeren Blasen mit eitrig-putridem Inhalt konfluieren (Abb. 1 a). Ferner finden sich eine Mazeration im Bereich des 3. und 4. Zehenzwischenraumes sowie Bläschen im Bereich der Zehen (Abb. 1 b). Ausgeprägte, nahezu symmetrische Blasenbildung auch im Bereich beider Hohlhände sowie der Fingerzwischenräume (Abb. 2 a, b). Da eine Fußmykose als prädisponierend für rezidivierende Erysipele gilt, sollte eine konsequente Therapie erfolgen [1].

Dyshidrosiforme Fußmykosen sind Ausdruck einer sich bei einer Tinea entwickelnden spezifischen verzögerten TH1-mediierten Immunreaktion ähnlich derjenigen beim allergischen Kontakt-
ekzem. Besonders am Fußgewölbe sowie Klein- und Großzehballen kommt es zu dyshidrosiformen, oft leicht getrübten Bläschen auf leicht entzündlich gerötetem Grund. Es besteht heftiger Juckreiz, selten entstehen größere Blasen (Pompholyx oder bullöser Typ der Tinea pedis).

Die starke Immunreaktion kann auch für Infekt-assoziierte sterile Fernreaktionen (Mykide), insbesondere für ein dyshidrosiformes Mykid im Bereich der Hände, verantwortlich sein [2]. Dieser Zusammenhang einer Dyshidrose im Bereich der Hände mit einer Fußmykose wird oft verkannt.

Diagnostik: In den Abstrichen von Füßen und Händen findet sich massenhaft Staphylococcus aureus. Das Nativpräparat von Schuppenmaterial von der Fußsohle war positiv, nach 7 Tagen Wachstum von T. interdigitale anthropophil. Material aus dem Bereich der Hände war steril.

Therapie: Nach Diagnosestellung Terbinafin (250 mg Tabletten) über 2 Wochen, zudem Prednisolon 50 mg oral über 2 Tage mit einer Reduktion auf 25 mg über weitere 2 Tage. Zusätzlich wurde topisch eine Kombination aus einem mittelstark wirksamen Kortikosteroid (Flupredniden-21-Acetat) mit einem Breitspektrum-Antimykotikum (Miconazol) zur zweimaligen täglichen Anwendung verordnet. Schon nach 3 Tagen waren die entzündlichen Veränderungen deutlich rückläufig. Die topische Kombinationstherapie wurde noch 10 Tage fortgesetzt, im Bereich der Hände wurde Mometason, ein topisches Steroid der Klasse 3, in einer Creme-Grundlage über ebenfalls 10 Tage verwendet.

Was kann es noch sein?

Eine Reihe von Differenzialdiagnosen ist bei dyshidrotischen Veränderungen zu bedenken [3]: a) eine Dyshidrose im Rahmen einer atopischen Diathese, b) eine Kontaktallergie (z. B. im Bereich der Schuhe durch Lederfarbstoffe oder Kleber mit Streureaktionen im Bereich der Hände), c) ein hämatogenes Kontaktekzem auf die systemische Aufnahme von Allergenen wie Nickel (auch im Zigarettenrauch) oder Perubalsam, d) medikamentöse allergische Reaktionen (z. B. Penizillin-Antibiotika), e) psychogen bei emotionalen Stressreaktionen, f) idiopathisch, ohne dass eine Ursache erkannt werden könnte, und letztlich g) bei sekundärer Eintrübung der Bläschen auch die Psoriasis pustulosa palmaris et plantaris. Mikroskopischer Pilznachweis und -kultur sind diagnostisch entscheidend.

Weitere häufige Mykosen

Neben den dyshidrosiformen Mykosen findet man vor allem interdigitale und squamös-hyperkeratotische Fußmykosen.

Die interdigitale Form ist gekennzeichnet durch Mazeration und groblamelläre Schuppung besonders in dem engen 3. und 4. Zehenzwischenraum. Durch Ablösung der mazerierten Schichten entstehen nässende Erosionen und Rhagaden. Eine topische antimykotische Therapie ist meist ausreichend.

Mit keiner oder geringer Entzündung geht die squamös-hyperkeratotische Form einher. Sie ist meist durch eine wenig entzündliche Schuppung der gesamten Fußsohle charakterisiert. An den Fußrändern kann sich eine scharf begrenzte, randbetonte Schuppung auf erythematösem Grund zeigen (Mokassin-Mykose). Erreger sind an den Menschen gut angepasste Dermatophyten wie insbesondere T. rubrum. Aufgrund der Dicke der Leistenhaut ist eine systemische antimykotische Therapie vorrangig mit Terbinafin erforderlich.

Fazit:

  • Dyshidrosiforme Mykide im Bereich der Hände als Ausdruck einer sterilen Fernreaktion können bei etwa 5–7 % der Fußmykosen beobachtet werden.
  • Eine alleinige mykologische Untersuchung von Schuppenmaterial aus dem Bereich der Hände ohne Inspektion der Füße kann zu einer Verkennung der Mykose führen.
  • Da es sich bei der zugrunde liegenden Pilzinfektion jedoch häufiger um tiefe oder stark entzündliche Mykosen bzw. um einen Befall der Leistenhaut handelt, sollte Terbinafin systemisch zur Anwendung kommen.
  • Die stark entzündliche Komponente sowie insbesondere der quälende Juckreiz werden durch die topische Kombinationstherapie auch im Bereich der nur "mitreagierenden" Hände schnell gelindert. Initial kann eine kurzfristige systemische Glukokortikoidgabe hilfreich sein.
  • Breitspektrum-Azol-Antimykotika wie Miconazol weisen auch eine Wirksamkeit gegenüber S. aureus auf.

2. "Pilz-Tumor" durch Haustiere

Fall 2 - Abb. 3

52-jähriger Landwirt,der zunächst eine kleine Veränderung am Hals rechts bemerkte und Zugsalbe anwandte. Wegen Fortschreitens erfolgte zunächst eine Therapie mit Cefuroxim 3 x 1,5 g i.v. unter der Verdachtsdiagnose einer bakteriellen Infektion. Eine Abstrichuntersuchung erbrachte den Nachweis von Koagulase-negativen Staphylokokken, Pilze waren in diesem Material nicht nachweisbar. Im Bereich der rechten Halsseite und Unterkieferregion findet sich ein ausgedehnter plattenartiger Tumor mit reichlich follikulär gebundenen Pusteln, auf Druck (schmerzhaft!) entleert sich Eiter. Schwellung der submandibulären und präaurikulären Lymphknoten. Druckschmerz und Brennen (Abb. 3). Temperatur 37,8° C.

Fall 3 - Abb. 4

66-jährige Patientin mit einem seit etwa 3 Wochen progredienten exophytischen Tumor parietal/temporal rechts, der gelegentlich etwas Schmerzen verursachte. Ein CT wurde durchgeführt – es fand sich eine semiovale Hyperdensität in der Galea rechts frontal. Rechts temporal findet sich ein 8 cm großer verruköser Tumor, nässend, teils Haarverlust; auf Druck Eiteraustritt (Abb. 4). Schwellung der nuchalen und präaurikulären Lymphknoten.

Mykosen an Haarfollikeln

Sowohl in Fall 2 wie auch in Fall 3 handelt es sich um an den Haarfollikeln gebundene Mykosen. Diese gehen oft mit ausgeprägten entzündlichen Veränderungen und intensivem Krankheitsgefühl einher, besonders wenn von Tieren stammende Erreger beteiligt sind. Neben den klassischen Erregern wie Microsporum canis (v. a. von Katzen) und Trichophyton (T.) interdigitale zoophil (kleine Nager) führen neue Haustiertrends zum vermehrten Auftreten bisheriger Raritäten wie T. erinacei (von Igeln, insbes. afrikanischer Weißbauchigel) oder T. species von A. benhamiae (meist von Meerschweinchen). Die Diagnostik ist oft dadurch erschwert, dass bei pustulösen Veränderungen meist zunächst an die häufigere bakteriell bedingte Ostiofollikulitis besonders durch Staph. aureus gedacht wird. Mykosen als Auslöser pustulöser Veränderungen werden daher oft verkannt. Fehlendes Ansprechen auf eine antibiotische Therapie und ein chronischer Verlauf sollten aber an eine Mykose denken lassen, die vorrangig durch eine Untersuchung epilierter Haare diagnostiziert werden kann [4].

Diagnostik: Epilierte Haare zeigen im Nativpräparat eine Manschette aus Sporen und Hyphen. Bei dem 52-jährigen Landwirt findet sich in der Kultur nach ca. 4 Wochen Wachstum von T. verrucosum. Bei der 66-jährigen Patientin wächst nach 7 Tagen T. species von A. benhamiae, der meist von Meerschweinchen übertragen wird [5].

Therapie: Beide Patienten erhalten Terbinafin-Tabletten 250 mg 1 x tgl. abends über 4 Wochen; zudem erfolgt eine Lokalbehandlung mit einem Kombinationspräparat aus einem topischen Kortikoid der Klasse 2 + Miconazol über 14 Tage, dann Übergang auf Ciclopiroxolamin-haltige Creme. Beim Fall 2 ergibt sich schon nach 5 Tagen ein deutlicher Rückgang der entzündlichen Komponente und der subjektiven Beschwerden. Im Fall 3 wird dies nach 6 Tagen beobachtet. Nach 11 Tagen im Fall 2 bzw. nach 28 Tagen im Fall 3 zeigen sich eine weitgehende Abflachung des Herdes, kein Eiteraustritt und keine Lymphknoten-Schwellungen. In beiden Fällen resultierte jedoch in den zentralen Bereichen ein teilweiser Haarverlust.

Fazit:

  • Bei der Tinea barbae handelt es sich um eine tiefe abszedierende Follikulitis der Barthaare insbesondere durch T. verrucosum (Hauptwirt Rinder) sowie der zoophilen Form von T. interdigitale (Hauptwirt Nager), die oft von Allgemeinsymptomen begleitet ist.
  • Die Tinea capitis ist zwar vornehmlich eine Erkrankung des Kindesalters, sie wird aber zunehmend auch bei Erwachsenen beobachtet. Betroffen sind vor allem Immunsupprimierte sowie postmenopausale Frauen.
  • Tierkontakt sollte anamnestisch erfasst werden, wobei die Tiere erscheinungsfrei sein können (asymptomatische Überträger).
  • Eine Abstrichuntersuchung ist oft nicht zielführend und zeigt meist nur eine Superinfektion mit Staphylokokken an.
  • Diagnostisch entscheidend sind direkte ("Nativpräparat"), kulturelle oder PCR-gestützte Untersuchungen epilierter betroffener Haare.
  • Aufgrund der tiefen abszedierenden Entzündung ist eine systemische antimykotische Therapie, vorzugsweise mit Terbinafin, angezeigt.
  • Gerade bei stark entzündlichen Mykosen liegt der Vorteil einer Kombinationstherapie aus einem Breitspektrum-Antimykotikum und einem Glukokortikosteroid nicht nur in der raschen positiven Beeinflussung der subjektiv belastenden Symptomatik wie Juckreiz und Brennen, sondern bei frühzeitigem Einsatz auch in der Reduktion der starken entzündlichen Veränderungen, die zu einer Zerstörung des Haarfollikels und damit zum Haarverlust führen können [5].
  • Breitspektrum-Antimykotika wie Miconazol sind gegen Dermatophyten und pathogene Hefen sehr wirksam und bieten den Vorteil, dass sie auch grampositive bakterielle Erreger wie S. aureus erfassen, die bei entzündlichen Formen tiefer follikulärer Trichophytien oft im Rahmen einer Superinfektion nachzuweisen sind.

Literatur
1. Mayser, P.: Mykosen In: Plewig, Landthaler, Burgdorf, Hertl, Ruzicka (eds.) Braun-Falco’s Dermatologie, Venerologie und Allergologie. 6. Auflage, Springer 2012, S. 243-279
2. Caputo R, De Boulle K, Del Rosso J, Nowicki R. Prevalence of superficial fungal infections among sport-active individuals. Results from th Achilles survey, a review of the literature. J Eur Acad Dermatol Venereol 15: 312-6; 2001
3. Müller DP, Hoffmann R, Welzel J (2014) Microorganisms of the toe web and their importance for erysipelas of the leg. J Dtsch Dermatol Ges 12: 691-5.
4. Ilkit M, Durdu M, Karakaş M. Cutaneous id reactions: a comprehensive review of clinical manifestations, epidemiology, etiology, and management. Crit Rev Microbiol. 2012 Aug;38(3):191-202.
5. Bieber, Th. Andere Formen von Dermatitis. In: Plewig Landthaler Burgdorf Hertl Ruzicka (HRSG.): Braun-Falco’s Dermatologie, Venerologie und Allergologie; Springer Verlag 6. Aufl. 2012 S. 529-538.
6. Nenoff P, Uhrlaß S, Krüger C, Erhard M, Hipler UC, Seyfarth F, Herrmann J, Wetzig T, Schroedl W, Gräser Y (2014) Trichophyton Spezies von Arthroderma benhamiae – ein neuer Infektionserreger in der Dermatologie. J Dtsch Dermatol Ges 12: 571-82
7. Mayser, P., Stellenwert von Glukokortikosteroiden in der Therapie des Kerion celsi; Haut 2014; 04/14; 172-176;



Autor:

Prof. Dr. med. Peter Andreas Mayser

Universitätsklinikum Gießen und Marburg
Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie – Standort Gießen
35385 Gießen

Interessenkonflikte: Der Autor hält Vorträge für Almirall-Hermal, Pierre-Fabre und OmniaMed.

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Erschienen in: Der Allgemeinarzt, 2016; 38 (5) Seite 30-33