In den letzten Monaten hat das Zika-Virus wegen der Häufung von Hirnfehlbildungen von Neugeborenen, deren Mütter mit dem Virus infiziert waren, auch in der Publikumspresse für Furore gesorgt. Das Virus ist allerdings schon länger bekannt. Hier einige Hintergrundinformationen dazu.

Das Virus wurde 1947 von Dengue-Forschern bei einem Affen in einem Wald namens Zika in Uganda isoliert. Fünf Jahre später wurde das Virus erstmals bei einem Menschen nachgewiesen. In den folgenden 50 Jahren traten Erkrankungen durch dieses Virus dann nur ganz sporadisch auf. Im Jahr 2007 erkrankten mehr als 100 Menschen auf der Pazifikinsel Yap in Mikronesien. Weltweit wurden seit 2007 in 46 Ländern Zika-Virus-Ausbrüche dokumentiert. Derzeit breitet sich das Virus in über 20 Ländern in Mittel- und Südamerika aus. Am 1. Februar 2016 hat die Weltgesundheitsorganisation WHO die Zika-Virus-Ausbrüche wegen des sehr wahrscheinlichen Zusammenhangs mit der Entwicklung von Mikrozephalien und anderen neurologischen Erkrankungen bei Ungeborenen zu einer "Gesundheitlichen Notlage von internationaler Tragweite" (Public Health Emergency of International Concern – PHEIC) erklärt.

Übertragung durch Stechmücken

Zika-Viren werden in den bisher dokumentierten Fällen überwiegend durch den Stich infizierter Mücken der Gattung Stegomyia (früher Aedes aegypti genannt, diese übertragen auch das Gelbfiebervirus) übertragen. Der Stich dieser Mücke ist meist nicht schmerzhaft, lokale Reaktionen mit Juckreiz an der Einstichstelle sind dagegen häufig. Ihre Stechaktivität hat im Tagesverlauf zwei "Spitzenzeiten": direkt nach der Morgendämmerung und am späten Nachmittag vor Sonnenuntergang. Aber auch außerhalb dieser Zeiten können diese Moskitos jederzeit aktiv werden, besonders im Schatten und nachts. Möglicherweise können auch andere Moskitos, z. B. Aedes albopictus ("Asiatische Tigermücke") das Zika-Virus verbreiten. Die Asiatische Tigermücke kommt nur sehr punktuell und nur in besonders warmen Sommermonaten in Süddeutschland vor. Die Gefahr einer Übertragung durch Stechmücken in Deutschland ist daher – falls sie überhaupt gegeben ist – extrem gering. In bisher zwei Fällen ist eine Übertragung durch Geschlechtsverkehr dokumentiert. Auch über Bluttransfusionen ist eine Übertragung möglich. Zika-Viren wurden im Urin und im Speichel von Patienten nachgewiesen. Bisher sind allerdings keine Fälle einer Virusübertragung durch menschlichen Urin oder Speichel dokumentiert.

Gefahr für Föten

Etwa vier von fünf Infektionen verlaufen ohne Symptome. Die häufigsten Symptome sind ein knotig-fleckiger Hautausschlag und Juckreiz, Kopf-, Gelenk- und Muskelschmerzen, Konjunktivitis und leichtes Fieber. Die Symptome treten in einem Zeitraum von drei bis zwölf Tagen nach einem infektiösen Mückenstich auf und halten bis zu eine Woche an. Schwere Verläufe und Todesfälle sind sehr selten, die wenigen beschriebenen Todesfälle traten bei Patienten mit schweren Vorerkrankungen auf. Eine seltene Komplikation ist das Guillain-Barré-Syndrom, welches auch nach anderen Infektionen und nach Impfungen auftreten kann. Eine Infektion mit dem Zika-Virus in der Schwangerschaft kann beim Fötus zu einer Mikrozephalie führen. Besonders hoch ist das Risiko, wenn sich die Mutter im ersten Schwangerschafts-
drittel infiziert hat. Die betroffenen Kinder werden mit einem besonders kleinen Kopf geboren. Folgen können geistige Behinderung und andere schwerwiegende neurologische Störungen sein.

Von der Reise etwas mitgebracht?

Bei gesunden Reiserückkehrern mit entsprechender Symptomatik ist aus therapeutischer Sicht in der Regel keine Erregerbestimmung notwendig. Bei entsprechender Reiseanamnese ist bei Schwangeren und bei männlichen Reiserückkehrern mit schwangerer Sexualpartnerin bis zum 7. Tag nach Symptombeginn eine PCR aus Serum und Plasma sowie Urin sinnvoll, vom 8. bis 27. Tag nach Symptombeginn eine Serologie aus Serum (IgM- und IgG-Nachweis) sowie eine PCR aus dem Urin. Mehr als 28 Tage nach Symptombeginn eignet sich nur noch die Serologie aus Serum.

Was kann man tun?

Eine spezifische Therapie existiert nicht. Symp-
tomatisch werden schmerz- und fiebersenkende Medikamente verabreicht.

In Abstimmung mit dem RKI empfehlen das Auswärtige Amt und die Deutsche Gesellschaft für Tropenmedizin (DTG) Schwangeren, von vermeidbaren Reisen in Zika-Virus-Ausbruchsgebiete abzusehen. Bei unvermeidbaren Reisen sollte auf ganztägigen konsequenten Mückenschutz geachtet werden.

Die Insekten stechen nicht nur im Freien, sondern auch in geschlossenen Räumen. Wo verfügbar sollte die Klimaanlage eingeschaltet werden – Mücken fliegen nicht gerne von warmen in kältere Räume. Vorhänge, Gardinen und Bettlaken sollten mit Permethrin eingesprüht werden. Auch in geschlossenen Räumen sollte kein Wasser offen herumstehen. In Räumen ohne intakte Fliegengitter an den Fenstern sollte unter einem mit Permethrin imprägnierten Moskitonetz geschlafen werden. Für die Anwendung auf der Haut ist DEET in einer Konzentration von 50 % am besten wirksam. Wenn das Risiko für eine schwere, durch Mücken übertragenen Erkrankung besteht, kann es nach dem 1. Trimenon auch in der Schwangerschaft angewendet werden. Für Schwangere im 1. Trimenon können Präparate mit dem Wirkstoff Saltidin (z. B. NOBITE Haut Sensitiv) auf der Haut angewendet werden.

Mindestens genauso wichtig ist das Imprägnieren der Kleidung mit Permethrin (z. B. Nobite-Kleidung). Etwa 40 % aller Mückenstiche erfolgen durch die Kleidung. Mit Permethrin imprägnierte Kleidung kann auch – sobald der Wirkstoff getrocknet ist – von Schwangeren getragen werden. Schwangere sollten allerdings die Kleidung nicht selbst einsprühen, da sie dabei unbeabsichtigt das Spray inhalieren könnten.

Dr. Andreas H. Leischker, M.A.


Erschienen in: Der Allgemeinarzt, 2016; 38 (4) Seite 72-74