Mit den Selektivverträgen hat der DHÄV dem Gesundheitssystem ja bereits deutlich seinen Stempel aufgedrückt. 2015 lag das Honorarvolumen wohl bei 1 Milliarde Euro. Bis Ende 2018 soll diese Summe auf bis zu 2,5 Milliarden Euro hochgeschraubt werden. Doch dem DHÄV reicht es offenbar nicht aus, bis Ende 2018 bis zu 8 Millionen Patienten von rund 28 000 Hausärzten selektivvertraglich zu versorgen. Der Verband will – angesichts der großen Versorgungslücken im hausärztlichen Gesundheitssystem – deutlich mehr. Und so stürmt er auch mit einigen höchst innovativen und alternativen Versorgungsmodellen ins Jahr 2016 hinein.

Jungen Ärzten den Einstieg erleichtern

Zum Beispiel mit der Idee eines Hausärztlichen Versorgungszentrums (HVZ). Mit diesem Konstrukt soll es möglich werden, älteren Kollegen nach und nach den Praxisausstieg zu erleichtern und zugleich mehr junge Mediziner für die hausärztliche Tätigkeit zu gewinnen. Ein juristisch abgesichertes Konzept zur Bildung dieser Zentren liegt bereits vor. Nachwuchsärzte sollen darin zunächst angestellt werden, können auf Wunsch aber später dann auch den Arztsitz übernehmen. Um unabhängig von den Krankenkassen zu bleiben, will der DHÄV sein Modellprojekt sogar rein aus Eigenmitteln finanzieren.

In Sachsen will der dortige Hausärzteverband mit dem Callcenter-Projekt "Hausarzt2 24" ebenfalls neue Wege in der Hausarztzentrierten Versorgung beschreiten. Ein mit Fachkräften besetztes Callcenter soll dabei auch weit über die üblichen Sprechzeiten hinaus das in manchen Regionen bereits heute stark ausgedünnte Hausarzt-Praxisteam entlasten. Im Fokus der Hotline stehen dabei chronisch kranke Patienten, etwa bei Fragen der Medikamenteneinnahme. Die Leistungen nach Paragraf 73b SGB V, die extra vergütet werden, sollen zum 1. April mit der AOK plus finanzwirksam werden.

Ebenfalls auf strukturschwache Regionen ist die im Oktober gestartete "Tele Arzt Initiative" des DHÄV ausgerichtet. Im Fokus dieses neuen Projekts stehen speziell geschulte VERAHs, die beim Hausbesuch auf der Basis von Vitaldatensensorik arbeiten und bei Bedarf den behandelnden Hausarzt per Videoübertragung hinzuziehen können.

Die Versorgung in die Hand nehmen

Und schließlich soll auch die Integrierte Versorgung in Form der Versorgungslandschaften deutlich ausgebaut werden. Daran arbeiten beim Thema Rheuma die Pro Versorgungs AG (eine Initiative des DHÄV) und der Berufsverband der Rheumatologen hartnäckig seit 2014 bereits in Nordrhein und Bayern mit der TK und bundesweit mit der AXA Krankenversicherung. Die Barmer GEK ist jetzt in den KV-Regionen Hessen, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen hinzugekommen. Die Hausärzte profitieren davon mit einer zusätzlichen IV-Vergütung, die Patienten von einer verbesserten arbeitsteiligen Zusammenarbeit unter den Ärzten sowie zeitgemäßen Behandlungspfaden. Auch hier drückt also der Hausärzteverband dem Versorgungssystem seinen Stempel auf.

Bleiben 2 Ausblicke zum Schluss: Man kann sich nur wünschen, dass sich der DHÄV bei all diesen und weiteren alternativen Aktivitäten für ein besseres hausärztliches Versorgungssystem nicht übernimmt. Und man kann nur hoffen, dass der Gesetzgeber nicht wieder den Spielverderber spielt. Es wäre ja nicht das erste Mal, meint

Ihr
Raimund Schmid


Erschienen in: Der Allgemeinarzt, 2016; 38 (2) Seite 34